Eishockey: pietta schockiert – münchner spielweise als „überhart“ gebrandmarkt
Der Eishockey-Nachmittag in Ingolstadt endete nicht nur mit einer deutlichen Niederlage, sondern auch mit einer explosiven Verbalattacke. Daniel Pietta, ehemaliger Nationalspieler und nun beim ERC Ingolstadt aktiv, ließ nach dem Ausscheiden im Playoff-Viertelfinale seine deutliche Meinung zu den Aktionen des Münchner Verteidigers Fabio Wagner und insbesondere zur Spielphilosophie von Trainer Oliver David sprechen. Ein Wort, das immer wiederfiel: „überhart“.
Die eskalation nach der niederlage
Nach der 3:7-Klatsche am Samstagabend kochte die Emotion beim ERC Ingolstadt hoch. Pietta, der sich sonst eher zurückhaltend äußert, schoss nun scharf gegen die Red Bull München-Spielweise. Weniger gegen Wagner persönlich richtete sich sein Zorn, sondern vielmehr gegen die generelle Härte, die in diesem vierten Spiel der Best-of-Seven-Serie zu beobachten war. Der Check gegen Edwin Tropmann, der dazu führte, dass dieser im Rettungswagen wieder zu Bewusstsein kam und mit einem Gehirnschädeltrauma ins Krankenhaus musste, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
„Im Großen und Ganzen war es überhart“, kommentierte Pietta die Situation bei MagentaSport. „Jeder will Meister werden, jeder will Spiele gewinnen, klar. Aber wenn das der Preis sein muss, um sowas zu erreichen, kann ich auch gerne drauf verzichten.“ Seine Worte waren ein klarer Affront gegen Trainer David, dem er direkt vorwarf, eine Spielweise zu fördern, die über die Grenzen des Erlaubten hinausgeht. „Da kann man nicht davon reden, dass das Teil des Spiels ist. Sollte das Teil des Spiels sein, habe ich keinen Bock mehr auf dieses Spiel“, polterte Pietta.

Wagner im fokus, aber pietta verteidigt ihn
Obwohl Wagner für den Check gegen Tropmann eine Sperre von mindestens 14 Spielen erhalten hat – die sich bei einem möglichen Einzug Münchens ins Finale noch verlängern könnte – nahm Pietta den jungen Verteidiger in Schutz. „Fabio ist ein herzensguter Mensch. Er ist der Letzte, der das mit Absicht macht. Im Eishockey entscheidet man in Sekundenbruchteilen. Die Entscheidung hat er falsch getroffen. Das weiß er selber. Er hat sich entschuldigt“, betonte Pietta. Die Verpflichtung zum Entschuldigung zeigt, dass Wagner sich seiner Verantwortung bewusst ist, doch die Frage nach der Verantwortung des Trainers bleibt offen.
Die Situation wirft ein düsteres Licht auf die Intensität und Fairness des Eishockeys. Während der Kampf um den Titel die Athleten antreibt, darf er nicht dazu führen, dass die Gesundheit der Spieler aufs Spiel gesetzt wird. Die Entscheidung von Pietta, sich so deutlich zu äußern, könnte eine Debatte über die Grenzen des Erlaubten im Eishockey anstoßen und zu einem Umdenken bei Trainern und Spielern führen. Denn es geht nicht nur ums Gewinnen, sondern auch darum, wie man gewinnt.
