71 Tage hatten sie gebraucht, um zurückzukommen – altglienicke zittert sich zum 2:2 und schlägt zurück
Keine Frage, die VSG Altglienicke war schon halb im Keller der Tabelle verschwunden, bevor der Ball in der GGZ-Arena wieder rollte. 71 Tage ohne Pflichtspiel, sieben neue Gesichter, drei Abgänge – und trotzdem: Als Erik Tallig in der 78. Minute den 2:2-Endstand versenkte, knallte die Bank so laut gegen die Plexiglasscheiben, dass selbst FSV-Zwickau-Coach Rico Schmitt kurz mitfuhr.
Altglienicke war zwei Mal hinten, zwei Mal drin. Erst Jonas Nietfeld vom Punkt, dann Tallig mit seinem Startelf-Debüt-Kracher aus 22 Metern. Ein Treffer, der die Wintertransfer-Blitzaktion des Klubs auf einen Schlag rechtfertigte: Vier Zugänge, davon drei direkt in der ersten Elf. „Wir haben nicht gewonnen, aber wir haben gezeigt, dass wir noch zubeißen“, sagte Ersan Parlatan, 48, und klang dabei wie ein Boxtrainer, der weiß, dass seine Mannschaft nach der Pause erst richtig aufdreht.
Der erste durchgang war ein scherbenhaufen
Was vor der Pause passierte, war ein einziger Rückstand. Altglienicke wirkte wie nach einer Generalanästhesie, die Bälle kamen zu spät, die Läufe zu kurz. Zwickau hatte bereits einen Spieltag mehr in den Beinen, das merkte man. Luis Klatte, frisch verlängert, verhinderte mit zwei Glanzparien den K.o. Parlatan schüttelte sich: „Wir waren kurz davor, den Faden komplett zu verlieren.“
Doch die Kabine tat gut. Was danach folgte, war ein anderer Verein. Plötzlich lagen die Außenverteidiger im Vorwärtsgang, Tallig und Weik schoben die Zwickauer mit jedem Ballgewinn tiefer. Die 2:2-Aufholjagd war kein Zufall, sie war eine Ansage: Wer uns abschreibt, liegt falsch.

Nächster gegner: carl zeiss jena – und die eigene anspruchshaltung
Schon am Dienstag geht’s weiter, 380 Kilometer südöstlich, ins Ernst-Abbe-Sportfeld. Jena ist Zweiter, sieben Punkte hinter Lok Leipzig, aber mit dem besten Heimrecord der Liga. Altglienicke selbst liegt auf Rang sechs, 17 Punkte Rückstand auf die Spitze – genug, um die Meisterschaft abzuhaken, zu wenig, um die Saison abzuschreiben. „Wir wollen unsere Platzierung verbessern“, sagt Parlatan – und meint damit wohl: Oben dranbleiben, damit die Top-Talente nicht wegschauen.
Dass es geht, bewies die VSG bereits im Hinspiel: 2:1 in Jena, damals mit zwei späten Treffern. Die Marschroute steht: frühes Pressing, schnelle Umschaltmomente, keine Ballverluste in der eigenen Hälfte. Wer nach der Winterpause zweimal zurückkommt, darf auch in Thüringen dreist sein.
Die Zahl am Ende: 16 Tore stehen für Jonas Nietfeld auf dem Konto – nur zwei Spieler in der gesamten Regionalliga Nordost haben mehr. Wenn er am Dienstab trifft, rückt Altglienicke auf Platz vier. Und dann wäre plötzlich alles offen – bis zum letzten Atemzug dieser verrückten Rückrunde.
