Kronig schießt sion nach europa: top 6 reicht nicht

1:1 gegen St. Gallen, Platz sechs sicher – und trotzdem knallt Jan Kronig die Hände aufs Tableau. „Die Top 6 reichen nicht“, donnert der Verteidiger ins SRF-Mikro, während seine Kollegen noch die Erleichterung atmen. Der Walliser Abwehrspieler will mehr. Viel mehr.

Walliser zünden nächste stufe

Die Rechnung ist simpel: Sieben Punkte aus den letzten drei Spielen, YB und den FCZ niedergestreckt, das Tourbillon wieder eine Festung. Nun folgt der Angriff auf die Europa-Plätze. „Wir sind alle im Wettbewerb und wollen mehr“, sagt Kronig, 25, und meint damit nicht irgendein Europacup-Vorstellungsrund, sondern direkt die Gruppenphase. Der Mann, der vor zwei Jahren noch mit dem Abstiegsgespenst rang, spricht plötzlich vom internationalen Geschäft – und klingt dabei nicht ein Hauch zu laut.

Der Gegner von gestern heißt Lukas Görtler und traf in der 24. Minute. Ein unnötiger Ballverlust, räumt Kronig ein, aber sonst? „Wenig zugelassen.“ Er spricht von einer der besten Offensiven der Liga, meint St. Gallen, die mit 52 Treffern vor der Partie auf Platz zwei lauerten. Dass Sion gerade diese Offensive neutralisiert, treibt den Optimismus weiter nach oben. Das Eigentor von Daschner kurz vor der Pause war der Ausgleich, psychologisch wichtiger als ein direkter Sieg, glauben Insider.

Pause als turbo

Pause als turbo

Nun folgt die Länderspielpause – für andere Teams ein Bremsklotz, für Sion ein Turbo. Trainer Alain Casanova kann seine Startelf nicht nur verjüngen, sondern auch verfeinern. Die Defensive um Kronig und den wieder genesenen Batubinsika hat in den letzten fünf Spielen nur vier Gegentore kassiert, die Offensive um Niasse und Antunes schlägt mit Temposprints zurück. Die Tabelle zeigt: Auf Platz vier, den letzten fixen Europa-League-Startplatz, sind es nur drei Zähler Richtung Luzern. Die Luzerner haben aber ein Spiel mehr – und müssen noch ins Tourbillon reisen.

Die Fans haben es bereits verstanden: Die Fahnen „Europe, wir kommen“ flatterten am Samstag vor dem Stadion, die Tickets für das nächste Heimspiel gegen YB sind seit Montag fast ausverkauft. Kronig selbst wird in der Pause nicht verreisen. Er bleibt im Wallis, trainiert Extrasschichten mit dem Fitnessteam, studiert Videos der Gegner. „Man muss Ambitionen haben“, sagt er und klingt dabei wie ein Mann, der weiß, dass diese Saison mehr sein kann als nur ein Platz im oberen Tabellendrittel. Die Meisterfeier von St. Gallen wird aufgeschoben, Luzern und Lausanne hoffen auf ein letztes Aufbäumen. Sion hingegen hat längst die nächste Etappe gebucht – und Jan Kronig den Kurs vorgegeben.