Chelsea stolpert in die historische krise: 0:3 bei everton, vier pleiten in serie

Chelsea ist nicht mehr nur in der Premier League, sondern in der Realität angekommen. Das 0:3 bei Everton war keine Ausrutscher, sondern die vierte Niederlage hintereinander – so etwas hatten die Blues zuletzt 1993 erlebt, als noch Dennis Wise und Graeme Le Saux das Mittelfeld dominierten. Liam Rosenior sprach nach dem Schlusspfiff vom „enttäuschendsten Abend“ seiner Trainerkarriere, und das verdutzt viele Beobachter: Er ist erst seit zehn Ligaspielen im Amt.

Roseniors rechnung geht nicht auf

Der 41-Jährige hatte seine Spieler in der Halbzeit des PSG-Aus in der Champions League noch einmal auf die Grundprinzipien vereidigt: keine leichten Ballverluste, kein Herausruckeln aus der Defensive, kein Geschenke verteilen. Was dann folgte, war genau das Gegenteil. Bereits nach acht Minuten lag Chelsea durch ein Eigentor von Levi Colwill zurück, kurz vor der Pause erhöhte Iliman Ndiaye auf 2:0. Die dritte Klatsche binnen sieben Tagen war perfekt.

Die Statistik ist erbarmungslos: seit Roseniors Amtsantritt holte Chelsea 17 Punkte aus zehn Spielen – das reicht derzeit nur für Rang vier. Der Vorsprung auf die Nicht-Champions-League-Plätze schmilzt täglich. Everton, bis vor Kurzem noch Abstiegskandidat, ist nur noch zwei Zähler entfernt. Die Fans reagierten mit Pfiffen und Sprechchören gegen die Klubführung, ein Großteil verließ das Stadion bereits nach dem 0:2. Der Rest sang „You’re not fit to wear the shirt“, bevor auch er den Weg zum Ausgang fand.

Die pause ist kein garant für errettung

Die pause ist kein garant für errettung

Rosenior sieht dennoch keinen Grund zur Panik: „Wir haben den vierten Platz inne, seit ich hier bin.“ Die Aussage klingt wie ein Mantra, das er sich selbst einredet. Tatsächlich steht Chelsea nach der Länderspielpause vor einem Programm, das selbst optimistische Analysten erzittern lässt: Manchester City, Manchester United und ein Auswärtsspiel bei Brighton, das am Wochenende Liverpool mit 2:1 bezwang. Die Selektion des Aprils wird entscheiden, ob Rosenior im Sommer noch Trainer ist oder ob das Projekt erneut neu beginnt.

Die größte Sorge: Chelsea wirkt nicht nur erschöpft, sondern ideenlos. Die schnellen Kombinationen, die unter Mauricio Pochettino noch funktionierten, sucht man vergeblich. Die Defensive agiert wie ein offenes Tor: in den letzten vier Partien kassierte man neun Gegentore, dazu kamen nur zwei eigene Treffer. Die Kaderplanung der letzten Jahre wirkt wie ein teures Puzzle, bei dem die falschen Teile zusammengesteckt wurden.

Rosenior wird die Pause nutzen, um „neu durchzustarten“. Doch die Frage bleibt: mit welchem Personal? Die Verletztenliste ist lang, die Moral kurz. Die Fans fordern nicht nur Siege, sondern eine Identität. Bislang liefert der Klub nur Leerlauf. Wenn Chelsea nach der Pause nicht sofort punkten, könnte die Krise zur Existenzfrage werden. Die Historie zeigt: wer viermal verliert, verliert oft auch den Anschluss – und manchmal den Job.