Kovac rast nach köln-sieg: „das war’s – mehr gibt’s nicht“
Niko Kovac sprach kaum drei Sätze, dann war Schluss. Der BVB hatte gerade mit zitternden Knien drei Punkte aus Köln geholt, und der Trainer wirkte wie ein Mann, der seinen Geburtstagskuchen aus Matsch bekommen hat. „Außer den drei Punkten, mit denen ich zufrieden bin, kann ich nicht zufrieden sein“, sagte er und starrte ins Leere, als würde er sich selbst fragen, wie viele Warnungen seine Mannschaft noch braucht.
Die Antwort lautet: mindestens eine mehr. Denn was Borussia Dortmund am Samstagabend im RheinEnergieStadion ablieferte, war kein Befreiungsschlag, sondern ein 90-Minuten-Zahnrad, das sich mit quietschenden Geräuschen durch einen Tag voller Selbstenttäuschung fräste. Serhou Guirassy und Maximilian Beier schossen zwar die Tore, doch die eigentliche Geschichte schrieb die Mannschaft, die trotz Überzahl fast noch den Sieg verschenkte.
Die erste hälfte war ein offenbarungseid
Köln spielte mit dem Puls eines Abstiegskandidaten, der nichts mehr zu verlieren hat. Dortmund mit der Leichtigkeit eines Teams, das alles schon verloren hat. Die Bälle rollten zu langsam, die Läufe zu spät, die Köpfe zu sehr woanders. Kovac stand an der Seitenlinie, zog die Kapuze über den Kopf und murmelte Sätze, die keiner hören wollte. Die Rote Karte gegen Jahmai Simpson-Pusey kurz vor der Pause hätte eigentlich die Vorentscheidung sein müssen. Stattdessen war es nur der Beginn einer zweiten Hälfte, in der der BVB es schaffte, aus einem 2:0 in der 89. Minute fast noch ein 2:2 zu kreieren.
Jakub Kaminski traf zum Anschluss, die Köln-Fans tobten, die Dortmunder schauten sich an wie Schüler, die merken, dass die Klassenfahrt doch nicht so lustig wird, wie gedacht. „Wenn jeder irgendwo einen Meter weniger macht, dann sieht es so aus, wie es aussieht“, sagte Kovac und klang dabei nicht wie ein Trainer, sondern wie ein Vater, der zum hundertsten Mal erklärt, warum man die Schuhe zubinden sollte.

Julian brandt bekommt keinen neuen vertrag – und das ist keine überraschung
Während die Mannschaft auf dem Platz versuchte, die Saison irgendwie zu retten, machte Sport-Geschäftsführer Lars Ricken hinter den Kulissen den nächsten Schlussstrich. Julian Brandt, einst Hoffnungsträger, jetzt Spieler mit 298 Einsätzen und 56 Toren, wird den BVB verlassen. „Er wird in ein paar Wochen 30, wir können uns ein bisschen neu orientieren“, sagte Ricken und klang dabei so kühl, als hätte er gerade einen Aktenordner zugeklappt. Kovac lächelte, als er von Brandt sprach, aber es war das Lächeln eines Mannes, der weiß, dass manche Trennungen nicht nur sportlich, sondern auch menschlich längst beschlossene Sache sind.
Die Champions-League-Qualifikation ist so gut wie sicher, acht Punkte Vorsprung auf Platz fünf. Doch das ist wie eine Einladung zur Party, nachdem man schon zu Hause alle Getränke leergetrunken hat. Das Aus gegen Atalanta, die Pleite gegen Bayern, das Zittern in Köln – all das hat die Saison zur Farce werden lassen. Und Kovac? Der steht da und erklärt, warum ein Sieg trotzdem kein Grund zum Feiern ist. Vielleicht hat er recht. Vielleicht ist das der Moment, an dem ein Trainer merkt, dass seine Mannschaft nicht mehr laufen will, sondern nur noch läuft, weil sie muss.
In neun Spielen ist Saisonende. Neun Mal wird Julian Brandt noch für Schwarz-Gelb auflaufen. Dann wird er gehen, und mit ihm ein Stück Hoffnung, das der BVB sich einmal gekauft hatte. Kovac wird bleiben, zumindest für jetzt. Und die Mannschaft? Die wird weitermachen, einen Meter weniger hier, einen Meter weniger da. Bis irgendwann keiner mehr weiß, wofür sie eigentlich läuft.
