Spanien wacht auf und zerstört österreichs em-traum in 30 minuten

2.541 Mensen schrien sich in der Sport Arena Wien die Kehle heiser, bis Spanien aufwachte und die Bilanz in einem Satz zusammenfaste: 12:10 zur Pause, 24:29 am Ende. Die Österreicherinnen lieferten dem Favoriten 50 Minuten lang Paroli, dann rissen sie das Spiel selbst mit Zeitstrafen und schlechter Uhr-Kontrolle auseinander.

Die erste hälfte war ein lehrbuch, die zweite ein albtraum

Monique Tijsterman hatte genau vorbereitet, was die Spanierinnen unter Joaquin Rocamora nervös macht: enges 5-1, Kreis dicht gemacht, Tempogegenstöße über Pandza und Ivancok. Es funktionierte. Ines Ivancok traf dreimal, Ana Pandza legte nach, Klara Schlegel zerlegte mit dem Sprungwurf das spanische Mittelblock-Konzept. 14:10 – Wien tobte. Johanna Reichert biss sich auf der Bank auf die Lippen: „Wenn man gegen Spanien zur Pause führt, leckt man Blut.“

Doch Blut schmeckt nur, wenn man nicht selbst anfängt zu bluten. Die Pause war kaum vorbei, da stand Rocamora mit drei Wechseln an der Linie, stellte auf 4-2-Deckung um und schickte Lara González als zusätzliche Spitzeläuferin. Österreich reagierte mit Sekundenverspätung, verpasste die erste Überzahl, kassierte zwei Zeitstrafen innerhalb von 73 Sekunden und war plötzlich 14:17 hinten. Zwei Tore gelangen noch zum 18:18, dann war die Luft raus.

Zeitstrafen und ein verlorener plan

Zeitstrafen und ein verlorener plan

Die Statistik ist gnadenhaft: sieben Minuten in Unterzahl, 3:8-Tore in dieser Phase. „Die Strafen haben uns das Genick gebrochen“, sagte Tijsterman, die sonst eher unterkühlte Niederländerin, mit sichtbar zitternder Stimme. Ihr Vorwurf: „Wir haben uns nicht mehr ans Konzept gehalten.“ Das hört sich nach Kleinigkeit an, war es nicht. Spanien spielte in der zweiten Hälfte mit 72 % Trefferquote, Österreich brachte es auf 46 %. Die Kreisbindung war weg, Silvia Arderius durfte ungestört aufziehen, Maitane Etxeberria schraubte sich aus neun Metern in den Winkel.

Lena Ivancok warf zwar das 23:26, doch danach jagte sie den Ausgleichswurf über die Latte. 90 Sekunden später pfiff der Unparteiische ab – 24:29. Die 2.541 Zuschauer verstummten nicht abrupt, sondern erstarben langsam, als hätte jemand Lautstärke heruntergedreht.

Ticket noch drin, aber der schock sitzt tief

Ticket noch drin, aber der schock sitzt tief

Die Rechnung bleibt offen: Österreich führt die Gruppe weiter mit 6:2 Punkten, Spanien folgt mit 5:3. Das Rückspiel in Algeciras am Samstag (19.30 Uhr/live ORF Sport+) kann alles korrigieren – oder begraben. „Der Unterschied war nicht zu groß“, sagte Ivancok-Soltic, die sich mit der Schwester im Arm an der Bande tröstete. Trainerin Tijsterman schob die Koffer schon in den Bus: „Wir fliegen nicht nach Andalusien, um Tourist zu spielen.“

Die Botschaft ist klar: wer Spanien 50 Minuten lang ärgert, darf nicht 10 Minuten lang weglaufen. Die Österreicherinnen haben bewiesen, dass sie auf Augenhöhe sind. Jetzt müssen sie beweisen, dass sie auch 60 Minuten lang durchhalten. In Algeciras wartet ein Favorit, der wach ist – und diesmal von Anfang an.