Kongo schnappt sich wm-ticket in letzter sekunde – tuanzebe wird zum helden

100. Minute, Beine schwer wie Blei, Mexiko dampft. Da hängt Axel Tuanzebe die Latein-Auswahl von Jamaika ab und schießt den Kongo zurück ins WM-Licht. 52 Jahre nach dem peinlichen Debüt als Zaire – damals 0:14 in drei Partien – hat der afrikanische Underdog sich das vorletzte Ticket für die USA-Sommerspiele erkämpft.

Die Szene in Guadalajara passte zum ganzen Abend: chaotisch, dramatisch, unerbittlich. Jamaikas Keeper Jahmali Waite flog zu spät, Tuanzebe nickte trocken ein, und 15.000 kongolesische Fans verwandelten das Estadio Akron in ein Vulkancrater. Danach pfiff Referee Facundo Tello nicht mehr – Oberschenkelzerrung, Argentinien musste auf sich selbst aufpassen. Vierter Offizieller Dario Herrera übernahm, pustete ein letztes Mal – und die Demokratische Republik Kongo war drin.

Gruppe k wartet mit ronaldo und co.

Los hat’s bereits gelacht: In der Vorrunde treffen die „Leoparden“ auf Portugal, Kolumbien und Usbekistan. Kein Favorit, aber auch kein Freilos. Trainer Sébastien Desabre kann mit der individuellen Klasse von Yoane Wissa (Brentford) und der Erfahrung von Kapitän Chancel Mbemba (Marseille) planen. Die Defensivstruktur, die Jamaika in 120 Minuten nur eine nennenswerte Chance gönnte, gibt Auftrieb.

Die Statistik allerdings nagt. Seit dem 0:9 gegen Jugoslawien 1974 hält der Kongo den Torrekord für ein WM-Debüt. Kein anderes Team kassierte in einer Gruppenphase 14 Gegentore. Die neue Generation will diese Marke endgültig tilgen. „Wir haben gelernt, wie man leidet“, sagte Tuanzebe nach dem Schlusspfiff, „jetzt wollen wir zeigen, wie man gewinnt.“

Irak oder bolivien folgen, der countdown läuft

Irak oder bolivien folgen, der countdown läuft

Um 5.00 Uhr deutscher Zeit entscheidet sich in Monterrey der letzte Teilnehmer. Der Sieger zwischen Irak und Bolivien landet in Gruppe I mit Frankreich, Norwegen und Senegal. Für die beiden Überraschungsmannschaften wird es die erste WM seit 1986 bzw. 1994, für die Fans ein Sprint gegen die Jetlag-Uhr.

Die Endrunde startet am 11. Juni in den USA, Mexiko und Kanada. 48 Teams, 104 Spiele, ein Kontinent im Fußballfieber. Der Kongo hat seinen Platz sicher – und diesmal wollen die Leoparden nicht nur dabei sein, sondern beißen.