Wm 2026: 48 teams, vier neulinge – und italien schaut wieder nur zu
Die größte Fußball-Show der Welt wird zur Mega-Klasse: Bei der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko tummeln sich erstmals 48 Nationalteams, und schon jetzt – mehr als ein Jahr vor dem ersten Anstoß – ist das Teilnehmerfeld so bunt wie nie. Vier Länder feiern ihr Debüt, ein Vielfach-Weltmeister bleibt zu Hause.
Italiens fluch: viermaliger champion, dreimal nacheinander raus
Während Usbekistan, Jordanien, Kap Verde und Curaçao historische erste Tickets lösen, kassiert Italien den nächsten Play-off-Knockout. Die Azzurri verpassen damit drei Endrunden in Serie – für eine Nation, die 2006 noch den Pokal hochhielt, ein Debakel ohne Precedent. Die Qualifikation lieferte das übliche Rezept: dominierter Ballbesitz, zu wenig Durchschlagskraft, ein bitteres 0:1 in Palermo. Die Konsequenz: Statt in New York oder Los Angeles zu spielen, plant die Squadra jetzt Sommercamps in Südtirol.

Deutschland löst letzte fragezeichen aus
Die DFB-Elf hatte es selbst in der Hand. Gegen die Slowakei reichte ein 2:0, um alle Rechnereien zu beenden. Hansi Flick nimmt 2026 seine vierte Endrunde als Bundestrainer mit – ein Rekord. Die Partie selbst war ein Lehrstück in Effizienz: frühes Tor, dann Sicherheit statt Spektakel. Die Message an die Konkurrenz: Wir haben gelernt, wie man Gruppensiege einfährt, nicht nur erarbeitet.

Die neue welt kommt – mit 156.000 einwohnern
Curaçao schreibt ein Mikro-Märchen. Mit gerade einmal 156.000 Einwohnern wird die Inselrepublik der kleinste WM-Teilnehmer aller Zeiten – noch vor Island 2018. Die Quali war ein Krimi: 3:0 in Kingston, 2:1 in San Pedro Sula, dazwischen ein Elfmeterdrama, das nur die Karibik so kann. Trainer Remko Bicentini sprach nach dem Schlusspfiff von „dem größten Tag seit der Unabhängigkeit“. Für Kap Verde gilt dasselbe: 600 Kilometer westlich von Dakar schwappt Jubel über den Atlantik. Die Musikkapellen auf Santiago proben schon den neuen Hit „Bilhete pra Copa“ – WM-Ticket-Song.

Asien liefert – und tuchel lacht
Japan war’s natürlich wieder, Iran folgte, dann Usbekistan – ein Trio, das asiatische Fußball-Analysten schon lange auf dem Zettel hat. In Europa dagegen setzte England früh ein Statement. Mit Harry Kane als Torjäger und Thomas Tuchel als frischem Taktik-Guru holte die Three Lions sechs Siege aus sechs Spielen. Frankreich kam mit einem 4:0 in Bosnien nach, Kroatien und Portugal buchten souverän. Die Türkei sorgte für das erste große Upset: Ein 1:0 in Prag reichte, um Tschechien auf Platz drei zu verweisen – und den EM-Halbfinalisten nach Hause zu schicken.

Interkontinentale play-offs: lotterie statt logik
Zwei Plätze bleiben offen – und werden im November 2025 in einem Turnier entschieden, das FIFA-Präsident Infantino als „globales Finale“ verkauft. Bolivien, Irak, Jamaika und DR Kongo spielen ein Mini-K.-o.-System in Doha. Drei Spiele, zwei Tickets, ein einziger Gewinner. Für Bolivien wäre es das erste Mal seit 1994, für den Kongo die Premiere überhaupt. Die Quoten für ein afrikanisches Duell im Finale stehen bei 2,75 – Buchmacher rechnen mit Elfmeterschießen.
Am 11. Juni 2026 rollt der Ball im Met-Life-Stadium. Bis dahin sind 48 Trainer, 1.100 Spieler und Millionen Fans im Ausnahmezustand. Die Karten sind gebucht, die Trikots gedruckt, die Chancen verteilt. Nur einer fehlt wieder: Italien. Und irgendwo zwischen Vancouver und Mexiko-Stadt wartet ein kleines Inselvolk darauf, die Welt zu überraschen. Die WM beginnt lange vor dem ersten Pfiff – und sie beginnt ohne den vierfachen Champion. Die Geschichte schreibt sich neu, diesmal mit 48 Kugelschreibern.
