Kiel kassiert historische klatsche: stuttgarts sieg schmeißt die meisterschaft wieder auf

Der Rekordmeister taumelt. THW Kiel verlor am 23. Spieltag erstmals seit 2004 gegen TVB Stuttgart – und das mit 27:32. Die 21 zuvor ungeschlagenen Duelle? Vergessen. In der Porsche-Arena riss ein Ruck durch den Aufsteiger, der Kiel in der Schlussviertelstunde mit 9:2 wegschoss. Filip Jicha stand mit offenem Mund: Seine „Zebras“ versenkten sich in der Krisenzone, nur noch drei Punkte trennen sie von Rang sieben.

Stuttgart schreibt handball-geschichte

Kein Torhüter-Tanz, kein letzter Kreisel, sondern reiner Kampf. Kiels Kreisläufer Pekeler traf dreimal in Serie, doch das rettete nichts. Konstantin Häfner warf zehn Mal – sechs aus dem Siebenmeter. Sein Bruder Marcel legte nach, Nico Nigg traf aus dem Rückraum wie am Fließband. 6.211 Fans erlebten den ersten Heimsieg gegen den Norden – und Stuttgart springt auf Platz acht.

Die Kieler Bank reagierte zu spät. Duvnjak und Bilyk wechselten sich auf der Bank ab, doch Stuttgart spielte Tempo, Tempo, Tempo. Als Kiel in der 54. Minute erstmals zwei Tore hinten lag, war das Spiel gelaufen. Die Niederlage bedeutet: Der Meister muss jetzt gegen Magdeburg und Flensburg gewinnen, will er die Champions-League-Tickets nicht verspielen.

Gummersbach siegt dank videobeweis und kösters jubiläum

Gummersbach siegt dank videobeweis und kösters jubiläum

Vier Sekunden nach Schluss pfiffen die Referees noch einmal. Julian Köster hatte per Sprungwurf das 28:27 erzielt – sein 500. Bundesligatreffer –, doch der TBV forderte Nachspielzeit. Der Videobeweis bestätigte: Ball war draußen, Zeit abgelaufen. 4.132 Zuschauer in der ausverkauften Schwalbe-Arena jubelten sich heiser. Dominik Kuzmanovic parierte 13 Schüsse, darunter den letzten Lemgo-Wurf. Gummersbach bleibt Sechster, Lemgo rutscht auf Rang zehn.

Trainer Emir Kurtagic pumpte die Faust: „Wir haben die Nerven behalten, das ist Charakter.“ Köster selbst wollte vom Jubiläum nichts wissen: „Zählt nur, dass wir oben bleiben.“

Flensburg entfesselt grgic und schießt leipzig ab

Flensburg entfesselt grgic und schießt leipzig ab

60 Minuten lang ein Krimi, dann ein K.o. Die SG Flensburg-Handewitt drehte gegen Leipzig auf: 35:27. Marko Grgic traf neun Mal, Lasse Möller und Johannes Golla schaufelten jeweils sechs Tore hinein. Leipzig musste zwei Disqualifikationen hinnehmen – Bogojevic und Preuß flogen wegen Gesichtstreffers früh raus. Die SG klettert auf Platz zwei, Leipzig bleibt Zwölfter.

Chefcoach Maik Machulla lobte die Bank: „Wir haben 40 Minuten gebraucht, um sie zu knacken. Danach war es ein Offensivfeuerwerk.“ Niklas Kirkelökke sah Rot, spielte aber weiter – ein Wechselfehler, der die Leipziger wütend machte. „So etwas darf nicht passieren“, sagte DHfK-Coach André Haber, ohne den Schiedsrichter zu nennen.

Magdeburg kann an diesem sonntag die meisterschaft klar machen

Magdeburg kann an diesem sonntag die meisterschaft klar machen

Tabellenführer SC Magdeburg empfängt um 15 Uhr Hannover-Burgdorf. Bei einem Sieg wäre der Vorsprung auf Verfolger Flensburg sechs Punkte – bei nur noch fünf ausstehenden Partien. Die Recken haben nichts zu verlieren, Trainer Carlos Ortega warnt: „In Magdeburg kannst du nur gewinnen, wenn du 60 Minuten Vollgas gibst.“

Parallel liefert sich die HSG Wetzlar im Hessenderby gegen MT Melsungen ein Kellerduell. Beide Teams haben 13 Punkte, verlieren will keiner die Rote Laterne. HC Erlangen und GWD Minden trennen nur drei Zähler – ein Sieg Mindens würde die Abstiegszone erstmals in dieser Saison verlassen. Rhein-Neckar Löwen empfängt Bergischen HC: Die Löwen haben nach dem Punktabzug 14 Punkte, der BHC 12. Ein Sieg würde die Badener auf Platz zwölf katapultieren.

Am Montag stehen sich Frisch Auf Göppingen und ThSV Eisenach gegenüber – zwei Traditionsklubs mit nur zwei Punkten Unterschied. Göppingen will den Vorsprung auf die Abstiegsränge ausbauen, Eisenach den Anschluss halten. 19 Uhr, Sparkassen-Arena – dann ist der 23. Spieltag endgültig vorbei. Die Tabelle lügt nicht: Unten wird enger, oben bleibt offen. Und Kiel? Muss nachlegen, sonst wird es eng im Rennen um Europa.