Kathrin marchand kollabiert – bronzemedaille rutscht durch die finger
23,3 Sekunden Vorsprung. Fünf Kilometer vor dem Ziel hatte Kathrin Marchand die Bronzemedaille schon fast greifen können. Dann drehte sich alles. Die 35-Jährige sackte an der Loipe zusammen, konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Die deutsche Fanschlacht verstummte, als zwei Betreuer sie stützend wegführten – das Rennen war gelaufen, der Traum auch.
Der schwindel, der alles beendete
Die ersten ärztlichen Hinweise deuten auf einen akuten Schwindelanfall hin. Für Marchand, die vor fünf Jahren selbst einen Schlaganfall überstand, ist das ein besonders bitteres Déjà-vu. „Ich hab nur noch gespürt, wie sich alles dreht“, sagte sie später leise. „Dann war alles schwarz.“
Die Bilder gingen um die Welt: Eine Athletin, die sich gerade noch historische Größe sichern wollte, wird von der Strecke getragen – erschöpft, aber vor allem enttäuscht. Denn Marchand war nicht irgendwer. Sie ist die erste Deutsche, die sowohl an Sommer- als auch an Winter-Paralympics startet. Nach zwei Olympia-Teilnahmen im Rudern und Rang vier bei Paris 2024 wollte sie nun endlich Edelmetall.

Von der ruderbank auf die loipe – in rekordzeit
Erst vor zwölf Monaten stand sie das erste Mal auf Skiern. Der Weltcup-Podestplatz im Januar war ihre Eintrittskarte nach Norditalien. Im Sprint von Cortina hatte sie als Vierte 1,9 Sekunden Rückstand auf Bronze – eine Niederlage, die sie motivierte, nicht zerbröselte. „Ich weiß, dass ich es kann“, sagte sie noch vor dem Mitteldistanz-Rennen. „Nur muss der Körper mitspielen.“
Diesmal spielte er nicht mit. Stattdessen wird ihr Name in den Geschichtsbüchern nun mit einem blauen Fleck stehen: erste Frau zwischen Sommer und Winter, aber ohne Medaille. Dafür mit einer Geschichte, die stärker ist als jede Platzierung.
Die Ärzte geben Entwarnung – Kreislauf ok, keine Neurologie. Marchand will weitermachen. „Ich bin nicht hier, um aufzugeben“, sagt sie. Und weil sie das sagt, glauben wir ihr. Nächstes Jahr steht der Weltcup wieder auf dem Programm. Die Loipe liegt noch immer da. Und die Medaille wartet. Ohne Schwindel, ohne Kollaps. Nur mit dem Willen, der sie schon einmal vom Krankenbett zurückbrachte.
