Kassel schlägt zurück: huskies zwingen füchse in die knie und sprinten ins halbfinale
28 Sekunden. So lange dauerte das Audio, das die Lausitzer Füchse am Sonntagabend in Weißwasser in Schockstarre versetzte. 28 Sekunden, in denen Kassels dritter Sieg in Serie gegen den Außenseiter besiegelt wurde – und mit ihm das 4:2 im Viertelfinale der DEL2. Die Huskies sind nicht nur weiter, sie sind angekommen im Modus, der Titel trägt: Playoff-Hitze.
Doch der Schein trügt. Die Serie war keineswegs die erwartete Routineübung. Fünf der sechs Partien endeten mit einem Tor Differenz. Die Huskies mussten sich bis zur Schmerzgrenze quälen, bis der Underdog endlich kippte. „Weißwasser hat uns alles abverlangt“, sagt Trainer Todd Woodcroft, und man glaubt ihm jede Silbe. Das ist kein Coach, der Siege beschönigt. Das ist einer, der weiß: Gegenstand stählt.
Donnerstag um 19.30 uhr startet der nächste kampf
Donnerstag, 19.30 Uhr, Eissporthalle Kassel. Dort empfangen die Huskies den Sieger des mörderischen Duells zwischen Bietigheim Steelers und Ravensburg Towerstars. Fünf der bisher sechs Spiele zwischen den beiden ging in die Verlängerung, das entscheidende siebte Duell steigt am Dienstag. Für Kassel heißt das: keine Zeit, die Wunden zu lecken. Dafür aber jede Menge Frische im Rücken, weil der Gegner nur 48 Stunden vor dem ersten Bully erst mal Luft holen muss.
Die Statistik? Spricht für die Huskies. Sowohl gegen Bietigheim als auch gegen Ravensburg holten sie in der Hauptrunde Punkte. Doch Statistik ist Schall und Rauch, wenn der erste Check in die Bande donnert. Woodcroft wird seine Jungs daran erinnern, dass Favoritenrollen nur dann Bestand haben, wenn man sie abrasiert wie Eis aus dem Schlitz. Die Bank ist breit genug. Das Selbstvertrauen gewachsen.

Nebengeräusche? eher ein schlag aufs helm-visier
Abseits des Eises tobte ein Minikrieg. Die angebliche „Kopf-ab-Geste“ des Trainers sorgte für Schlagzeilen, die ein ums andere Mal durchs Dresdner Oberlausitz-Gebiet flimmerten. Dazu Feuerwerk vorm Teamhotel in der Nacht vor Spiel sechs. Rauschen, Krach, Ablenkung. Die Huskies hörten es – und schalteten auf Durchzug. Kein Protestbrief, keine Wortgefechte, nur Eis, Puck und Sieg.
Die Botschaft ist klar: Wer Kassel ärgern will, muss mehr bieten als Pyrotechnik und Pressestatements. Die Serie gegen die Füchse war ein Crashkurs in Mentalität. Woodcrofts System funktioniert, weil jeder Körper bereit steht, den Schlag zu kassieren und sofort zurückzugeben. Das ist kein Geheimrezept, sondern reine Arbeitsmoral. Die Tore fallen nicht aus dem Nichts, sondern aus dem Durst, an der Bande zu siegen.
Im zweiten Halbfinale trifft Krefeld auf Regensburg. Die große Frage lautet nicht mehr, ob Kassel mithalten kann. Die lautet: Gibt es überhaupt jemanden, der diese Huskies noch stoppt? Die Antwort steht am Donnerstag in der nordhessischen Frostkulisse. Tickets sind restlos weg, die Halle wird kochen. Und wenn die Anzeigentafel am Ende erneut ein knappes Ergebnis zeigt, dann wird es wohl wieder die 3:2-Anzeige sein – nur diesmal mit Kassel als Sieger. Die Füchse wissen, wie schnell so eine Serie kippen kann. Die Huskies wissen, wie man sie zunäht. Der Rest ist Eishockey. Rau. Schnell. Unberechenbar. Aber im Moment gehört die Bühne Kassel.
