Kai häfner jagt lemgo: tvb stuttgart will serie ausbauen

16:30 Uhr, Porsche-Arena, 4.600 Zuschauer – und ein Duell, das die Handball-Bundesliga heute in zwei Paralleluniversen teilt. Der TVB Stuttgart feiert sich seit vier Partien ohne Niederlage und blickt nach oben, der TBV Lemgo Lippe flog nach zwei Pleiten aus der Euro-League-Zone. Der Unterschied: neun Punkte Tabelle plus Heimvorteil gegen Selbstzweifel.

Florian kehrmann muss in der hölle von häfner gewinnen

Die Zahl, die Lemgoer Nachtschweiß produziert: 202. So viele Tore warf Kai Häfner bereits in dieser Saison – Tendenz steigend. Der Rechtsaußen ist Stuttgarts Turbo, ihr emotionaler Kapitan, ihr Game-Changer. „Wir müssen ihn aus dem Rhythmus bringen, mit doppelten Deckungsaktionen und klaren Zuordnungen“, fordert TBV-Coach Florian Kehrmann, der selbst einst als Spieler diese Räume beherrschte. Doch die Personalie Urh Kastelic nagt: Der slowenische Rückraum-Stratege fällt weiterhin nach seiner Hand-Operation aus, fehlt als Variationsoption im offensiven Zentrum.

Stuttgarts Trainer Marko Šibilo kann dagegen mit der Breite glänzen. Sein 4-2-2-System mit vier Rückraumspielern irritiert Gegner, weil es ständig neue Lücken öffnet. Die Taktik funktionierte zuletzt gegen Hannover und den THW Kiel – zwei Heimsiege, die die Abstiegszone auf neun Punkte Distanz schoben und die Euphorie zurück in die einstige Leichtathletik-Arena trugen. „Wir wollen den einstelligen Tabellenplatz“, sagt Šibilo knapp. Kein Wunsch, sondern ein Befehl an seine Truppe.

Lemgo braucht einen kaltstart gegen die eigere geschichte

Lemgo braucht einen kaltstart gegen die eigere geschichte

Die Statistik lügt nicht: Vier der letzten fünf direkten Duelle gewann Lemgo. Doch die Gegenwart schreit nach einem Schalter, den Kehrmann umlegen muss. Nach der 25:29-Pleite in Gummersbach und dem 26:28 gegen Göppingen steckt der TBV in der taktischen Krisenkurve. „Wir haben verlernt, eng zu verteidigen und gleichzeitig den Tempogegenstoß zu suchen“, analysiert Co-Trainer Sascha Schmidt. Die Lösung: mehr Mann-Mann-Pressing, früheres Umschaltmoment, weniger Ballverluste im ersten Angriffsdrittel.

Für Stuttgart wiederum ist Marco Mengon ein Ausfall, der weh tut. Der Kreisläufer riss sich das Kreuzband, entzieht Šibilo eine wichtige Wand-Option im Zentrum. Doch der TVB hat Ersatz: Lukas von Deschwanden steht bereit, mit seinem Sprungwurf die Lücke zu füllen. Die Schweizer Nummer 19 traf in den letzten drei Partien 14 Mal – Quote 71 %.

Die Lemgoer Reisebusse rollen um 11:15 Uhr vom Lippe-Stadion Richtung Autobahn A2. 370 Kilometer, drei Stunden 20 Minuten Fahrt, eine Aufgabe. „Wenn wir nicht mit Siegeswillen aus der Kabine kommen, werden wir die Kieler Lücke nicht schließen“, warnt Kehrmann. Der TBV steht bei 34:16 Punkten, könnte mit einem Sieg auf Platz sechs springen – vorausgesetzt, Kiel verliert heute in Hamburg. Die Rechnung ist einfach, die Umsetzung komplex.

Puck los, Schiedsrichter Christian Rauch und Thomas Lopp pfeifen um 16:30 Uhr an. Wer zuerst die Nerven behält, bestimmt, ob Stuttgart die Serie ausbaut oder Lemgo die Trendwende schafft. Die Saison ist ein Viertel vor dem Ende, aber für beide Teams beginnt heute schon das Finish. Wer verliert, muss im April um jeden Punkt betteln. Wer gewinnt, träumt laut vom Europapokal. Die Handball-Bundesliga ist keine Schönheitspageant – sie ist ein Kampf um Millimeter und Millisekunden. In Stuttgart fallen heute beide.