Tod vor wm-generalprobe: fan stürzt im aztekenstadion in den tod

Ein einzelner Sprung. Ein dumpfer Aufprall. Und eine Party, die im Moment des Anpfiffs bereits zu Ende war. Im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt, dem Mythos-Tempel, in dem Pelé 1970 und Maradona 1986 die Welt krönten, starb gestern ein 25-jähriger Fan, noch bevor Mexiko und Portugal das erste Testspiel nach der 700-Millionen-Dollar-Renovierung bestrittenen.

Die sicherheitslücke im zweiten ring

Der Mann wollte laut Zivilschutz mit einem Stunt die erste Rangüberspringen – und rutschte ab. Statt auf die Unterlage der ersten Etage prallte er durch eine Lücke zwischen den Plastikstühlen, fiel 14 Meter in die Tiefe und erlag noch vor Eintreffen des Notarztes seinen schweren Kopfverletzungen. Die Partie wurde dennoch gespielt, unter Protestpfiffen der Anwesenden, die zunächst dachten, es handle sich um einen harmlosen Zwischenfall.

Draußen war die Stimmung bereits vor dem ersten Ballkontakt vergiftet. Rund 300 Demonstranten blockierten die Zugänge zur Avenida Insurgentes. Familien von seit 2014 verschwundenen Studenten warfen Transparente über die Brüstung: „Fußball für die Reichen, keine Antwort für uns“. Tierschützer zogen mit Hundeköpfen aus Pappmaché durch die Reihen, um auf das von der FIFA geförderte Hühnermast-Geschäft in den Stadionkantinen hinzuweisen.

El tri ohne el sabor – und ohne cr7

El tri ohne el sabor – und ohne cr7

Im Spielfeld selbst enttäuschte die mexikanische Nationalmannschaft erneut. Die „Tri“ blieb torlos gegen ein portugissiches B-Team, das auf Cristiano Ronaldo verzichten musste – Muskelbündelriss, Standby für die WM. Trainer Jaime Lozano stellte um auf 4-3-3, doch die Chancenverwertung blieb eine Farce: drei Schüsse aufs Aluminium, zwei vom Video-Assistenten aberkannte Treffer wegen Millimeter-Abseits.

Die Statistik nagt an Mexiko: Inzwischen wartet das Team seit acht Länderspielen auf einen Sieg, die längste Durststrecke seit 1999. Für die Gastgeber der Weltmeisterschaft in 75 Tagen ist das ein Warnsignal, das sich nicht mit neuen LED-Banden und 5-G-WLAN wegwischen lässt.

Ein stadion, das seine seele verlor

Ein stadion, das seine seele verlor

Die FIFA feiert das Aztekenstadion als „Kathedrale des Fußballs“, doch die Kathedrale bekommt Risse. Die Modernisierung räumte 26 000 Stehplätze weg, erhöhte Ticketpreise um 68 Prozent und baute VIP-Logen für 1 200 Gäste ein, während die alte Betonlage lediglich Frischgestrichenes erhielt. Der tödliche Sturz ereignete sich an genau dieser Nahtstelle zwischen Alt und teuer.

Die mexikanische Liga MX kündigte sofort an, künftige Spiele bis zur Klärung der Sicherheitsmängel auf 60 Prozent Kapazität zu drosseln. Die FIFA schweigt bislang, plant aber fünf WM-Partien im Sommer, darunter das Eröffnungsspiel Mexiko – Südafrika am 11. Juni. Die logistische Frage lautet nicht mehr, ob das Stadion fertig wird, sondern ob es bereit ist, Menschenleben zu schützen.

Der verdreckte Ziegelstein, der einst Maradonas „Hand Gottes“ sah, ist jetzt mit Glasfaser verkleidet. Doch keine Technik der Welt kann verhindern, dass ein betrunkener Fan in den Tod springt – und eine Nation vor dem eigenen Tor steht.