Kerbaol schlägt zu, koch zittert: zwölf sekunden entscheiden über rot vor angliru
Cédrine Kerbaol feierte in A Coruña ihren ersten WorldTour-Etappensieg, doch der Jubel der Französin dauerte nur wenige Sekunden – genauer: zwei. Denn Franziska Koch verteidigte mit letzter Kraft das Rote Trikot und bremst nun nur noch ein Hauch Vorsprung mit Richtung L'Angliru.
Kurz vor dem ziel riss kerbaol das rennen auseinander
121,2 km, 1823 Höhenmeter, ein permanent auf und ab in Galicien – die dritte Etappe sah auf dem Papier wie eine Bergetappe aus, verflachte aber in den letzten 25 Kilometern. Perfekt für Attackerinnen. Kerbaol nutzte den Moment, als das Feld bei 88 km/h in Wellen durch die enge Schlussraste raste. 2,3 km vor dem Ziel riss die 26-jährige Bretonin das Tempo noch einmal hoch, ließ Kopecky, Lippert und Koch im Getümmel stehen und jagte allein über die Promenade. 4 Sekunden nahm sie der Verfolgergruppe, 10 Sekunden Bonus für den Tagessieg obendrauf. „Ich wollte nicht warten“, sagte sie später, „auf Angliru helfen Sekundenzähler nichts mehr.“
Koch kam als 16. durch, schob sich mit zusammengebissenen Zähnen über die Ziellinie. Die 25-Jährige wirkte wie nach Roubaix: verschmiert mit Sprühregen, aber klar im Kopf. „Ich habe heute keine Sekunde verschenkt, ich habe sie verteidigt“, lautete ihr Fazit. Trotzdem schrumpfte ihr Polster auf magere zwei Sekunden – ein Handtuch wäre breiter.
Die klassementsgewinner des tages
Lotte Kopecky schob sich auf Rang zwei vor, bleibt aber vier Sekunden hinter Koch. Dahinter lauert Kerbaol, jetzt Dritte, genauso viel Rückstand. Dahinter ein Bündel an Jägerinnen: Liane Lippert (+0:18), Pauline Ferrand-Prévot (+0:21) und Kasia Niewiadoma (+0:25) haben noch Luft nach oben, aber eben auch Beine.
Die Schweizerin Noemi Rüegg, die nach der ersten Etappe noch Rot trug, musste nach ihrem Sturz auf der zweiten Etappe das Rennen verlassen – ein Ausfall, der das Klassement neu mischt und die Nerven der Favoritinnen strapaziert.
Angliru wird über sieg und niederlage entscheiden
Samstag steht die Königsetappe an: 12,1 km mit durchschnittlich 9,8 %, Spitzen bis 23 %. Wer dort den kleinen Kettenblattweg verpasst, verliert nicht nur Sekunden, sondern Minuten. Koch kennt die Rampe nur aus YouTube-Videos, Kopecky trainierte sie im März bei Schneeregen. Kerbaol wiederum fuhr die Steigung nie – ein Vorteil, sagt sie, „weil man dann keine Angst hat“.
Die deutsche Hoffnung trägt weiter Rot, aber die Farbe ist angerissen. Noch zwei Sekunden Vorsprung, noch vier Tage bis zur letzten Rampe. In Galicien haben die Mädels erst einmal durchgeatmet. In Asturien beginnt die Wahrheit.
