Jeong trifft freiburg ans herz – unions retter heißt woo-yeong
Ein einziger Schlag in der Nachspielzeit reichte, um 16 Heimspiele ohne Niederlage zu Makulatur zu machen. Woo-yeong Jeong, einst Liebling der Freiburger Kurve, stach am Sonntagabend genau dort das Messer in den Breisgauer Rücken. 90.+2: Union Berlin jubelt, Europa-Pfade werden schmaler für den SC.
Der joker mit dem doppelpass zum eigenen fanblock
Julian Schuster sprach hinterher von „einem Gesicht, das die ganze Saison zeigt: dominierend, aber nicht abgezockt“. Statistik: 72 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüsse, erster Gegentreffer seit 1. Dezember. Die Black-Forest-Arena verstummte, als Jeong nach Schmählachen links außen plötzlich Matheo Raab zum Debüt-Trost wurde. Der 22-jährige Ersatzmann hatte nichts zu halten – und wusste genau, warum: „Woo kennt jeden Quadratmeter hier, er trainierte auf diesem Platz zweieinhalb Jahre.“
Die Szene war symptomatisch für einen Abend, auf dem Freiburg alles versuchte und Union nur eins: leben. Steffen Baumgart hatte seine Sechser-Kette umgestellt, Alex Král vor der Abwehr, Diogo Leite als zusätzlicher Libero. Die Berliner suchten nicht die Schönheit, sondern den Punkt – und fanden am Ende sogar drei. Mit 28 Zählern enteilen sie dem Relegationsrang auf sieben Punkte, während Freiburg nach fünf Spielen ohne Niederlage plötzlich wieder den Anschluss an die Königsklasse suchen muss.

16-Mal europa geträumt – jetzt wird’s eng
Die Heimserie galt als psychologisches Pfand für die internationalen Ambitionen. Ohne sie bleibt ein Restprogramm, das Leipzig, Dortmund und Frankfurt umfasst. „Wir haben die Gegner eingeladen, uns zu schlagen“, sagte Kapitän Maximilian Eggestein, dessen 12-Minute-Volley noch ein halbes Jahr früher gefallen wäre. Stattdessen sprach der Mittelfeldstratege von „Kopf statt Klasse“ – und meinte damit die letzten zehn Minuten, in denen Freiburg anstürmte, aber die Räume hinten offen ließ.
Union feierte unterdessen den ersten Auswärtssieg seit 22. Dezember beim 2:1 in Hoffenheim. Für Baumgart zählt jetzt nur der Tableau-Blick nach vorne: „Wir haben Luft, aber keine Zeit für Selbstzufriedenheit.“ Die Wahrheit: Nach drei Niederlagen in Folge war dieser Sieg mehr als zwei Punkte Vorsprung – er war das Ventil, das die Angst wegpustete.
Für Freiburg tickt die Uhr. Jeongs Treffer war nicht nur ein Tor, sondern ein Weckruf: Ohne Effizienz wird aus dem Traum der Europa-Reise schnell ein Sommer der Erklärungsversuche. Die Serie ist Geschichte – und die Konkurrennz wartet schon am nächsten Wochenende mit Bayer Leverkusen im Olympiastadion. Wer da nicht auftaucht, verspielt mehr als nur drei Punkte.
