Italia zittert vor bosnien-start: gattuso zögert mit retegui-entscheidung
Die Natioalelf fliegt erst Montag, trainiert aber schon wie für ein Finale. Grund: Gattuso wartet bis zur letzten Sekunde, ob er Retegui und Locatelli erneut auflässt – oder auf Pio Esposito und Cristante setzt.
Warum bergamo keine blaupause ist
Die 2:0-Pflicht gegen Nordirland war ein Befreiungsschlag, kein Kunststück. Erst nach Tonalis Tor fiel die Angst ab, danach wirkte alles wie geheilt. Doch wer das Spiel noch einmal ansieht, erkennt: Die erste halbe Stunde war ein offener Schock, kein Plan. Genau diese Phase will Gattuso in Zenica verhindern. Bosnien wartet auf den ersten Patzer, um die „Bolgia“ zu entzünden.
Retegui lag in Bergamo tief, zu tief. Seine fünf Treffer in der Quali schützen ihn vor dem Aus, aber der Blick auf die Daten ist hart: Er lief 74 Minuten, gewann nur 29 Prozent der Zweikämpfe und verlor alle drei Ballkontakte im Sechzehner. Esposito bringt frische Beine, aber auch Nervosität – kein einziges Länderspiel, dafür 18 Liga-Tore für Empoli. Die Arsenal-Scouts buhlten bereits um ihn, weil er in 23 Minuten gegen Inter drei Abwehrketten verschob. Kurz: Er kann eine Partie verändern, aber eben auch überhitzen.

Locatelli oder cristante – das machtgefüge im zentrum
Bastoni ist fit, die Dreierkette steht. Die Frage ist, wer vor der Abwehr die Fäden zieht. Locatelli passte 92 Prozent seiner Pässe, aber nur zwei gingen nach vorn. Cristante dagegen erzielte in Rom fünf Vorlagen, spielte aber zuletzt 72 Stunden weniger als sein Kontrahent. Gattuso ließ ihn gegen Irland schonen – kein Zufall. Das Trainingslager in Coverciano ist mit Tarnnetzen verhängt worden, weil jedes Detail die Balance verschlagen kann.
Die Entscheidung fällt heute Nachmittag, nach dem verschlossenen Training. Wer startet, erhält ein 90-Minuten-Votum, danach sind fünf Wechsel erlaubt – genug Spielraum für Esposito, um spät noch zu elektrisieren. Gattuso selbst sagt nichts, aber Buffon und Gravina lachen wieder. Das ist der beste Indikator: Die Stimmung ist leicht, aber der Druck bleibt erbarmungslos.
