Skandal-wm in prag: briten rebellieren gegen vernichtenden punktabzug
Prag wird zum Schauplatz des nächsten Eistanz-Erdbebens. Sechs Wochen nach dem Jury-Krawall von Turin flattert der nächste Protestbrief ins ISU-Hauptquartier – diesmal aus London. Der britische Verband zieht die Notbremse, nachdem Lilah Fear und Lewis Gibson durch einen umstrittenen Zwei-Punkte-Abzug vom Podest in die vierte Reihe rutschten.
Die Szene, die alles auslöste, dauerte 2,8 Sekunden. Ein vermeintlich illegales Element, ein Lutz-Sprung, der laut Schiedsrichter nicht ganz sauber gewesen sei. Genug, um Fear/Gibson die Medaille zu rauben. „Wir halten den Abzug für fehlerhaft“, donnerte der britische Verband und fordert eine unabhängige Untersuchung des gesamten Schiedsverfahrens. ISU-Präsidentin Pam Aguss verspricht interne Prüfung, doch intern wiseln Mitarbeiter: Die Entscheidung sei bereits in der Closed-Bestätigung festgezurrt.

Déjà-vu für fournier beaudry/cizeron
Die französischen Olympiasieger profitieren erneut von strittigen Wertungen. In Turin hatte Jézabel Dabouis mit ihren Noten den Durchschnitt nach oben gerissen, diesmal sitzt sie wieder im Richterstuhl. Das Ergebnis: Gold trotz kleiner Wackler. Madison Chock und Evan Bates, seinerzeit die Leidtragenden, haben die WM komplett abgesagt – ein Schweigen, das mehr sagt als jede Pressemitteilung.
Die ISU verteidigt sich mit dem Verweis auf Regel 501, Paragraf 3, Unterpunkt b: technische Korrektur sei zulässig, wenn ein Element die Kriterien klar verfehle. Doch selbst interne Gutachter räumen ein: Die Videoanalyse sei „nicht eindeutig“. In der Jury-Kabine kursiert ein Clip, der den fraglichen Lutz in Zeitlupe zeigt – mehrere Experten sehen keine klare Fehlrotation. Die Punkte bleiben trotzdem weg.
Für Fear/Gibson erschüttert der Vorfall die Grundfesten des Sports. „Wir trainieren 35 Stunden pro Woche für vier Minuten Eiszeit“, sagte Gibson nach dem Rennen mit zitternder Stimme. „Dann entscheiden zwei Klicks im System über unsere Karriere.“ Der britische Verband hat bereits angekündigt, vor dem Internationalen Sportgerichtshof zu klagen – ein Schritt, der die ISU in Erklärungsnot bringen könnte.
Die nächste Weltmeisterschaft findet 2027 in Tokio statt. Bis dahin will die ISU ein neues Bewertungsmodell präsentieren, das Transparenz verspricht. Skeptiker wittern das nächste Lippenbekenntnis. Denn solange die Richter ihre Noten hinter verschlossenen Türen verhandeln, bleibt der Verdacht: Manchmal zählt nicht die Kunst auf dem Eis, sondern die Postleitzahl des Judges.
