Iran droht mit wm-aus – trumps einladung zerreißt an teherans boykott-fantasie
Die Fußball-Welt hält den Atem an. Die iranische Nationalmannschaft hat sich sportlich für die WM 2026 qualifiziert, doch nun schlägt Teheran mit der Faust auf den Tisch: Reise verboten. Donald Trump lädt trotzdem ein. Das Ergebnis: ein Schlagabtausch, der das Turnier schon jetzt in den Schatten stellt.
Trumps willkommen trifft auf iranisches nein
„Herzlich willkommen“, sagte der US-Präsident laut FIFA-Chef Gianni Infantino. Die Antwort aus Teheran kam postwendend. Sportminister Ahmad Donjamali ließ keinen Zweifel: „Wir haben definitiv keine Möglichkeit zu einer solchen Teilnahme.“ Die Begründung klingt wie ein Kriegsbericht: Zwei Kriege in neun Monaten, Tausende Tote, „bösartige Maßnahmen“ des Westens. Die Mannschaft soll zu Hause bleiben – als Zeichen, nicht als Sportentscheid.
Der Verbandschef Mehdi Taj legt nach. „Wer bei klarem Verstand schickt sein Team an einen Ort, der für uns zu einem Symbol des Drucks geworden ist?“ Die Anspielung auf die zuletzt fünf Fußballerinnen, die in Australien blieben und nicht mehr zurückkehrten, sitzt. Die Politik hat den Sport längst eingeholt.

Ein boykott wäre historisch – und gefährlich
Historisch, weil seit 1950 kein qualifiziertes Land mehr freiwillig auf eine WM verzichtet hat. Gefährlich, weil die FIFA ohne Iran plötzlich ein Loch im Turnierplan hat. Gruppe G mit Belgien, Ägypten und Neuseeland droht zur Gruppe der halben Gewinner zu werden. Noch pikanter: Sollten die USA als Zweiter der Gruppe B und Iran als Zweiter der Gruppe G auftreten, würden sie im Achtelfinale in Dallas aufeinandertreffen. Ein Match, das jetzt schon politische Brisanz hätte – wenn es stattfindet.
Die FIFA schweigt zu den Konsequenzen. Infantino betont nur, „wir brauchen ein Event, das Menschen zusammenbringt“. Doch dahinter steckt ein Machtspiel: Weigert sich ein Gastgeberland, eine qualifizierte Mannschaft einzureisen, kann der Weltverband das Turnier kurzfristig verlegen. Passierte 2023 in Indonesien mit Israel. Die U-20-WM ging nach Argentinien. Diesmal wären es die USA selbst, die das Risiko böten.

Nachrücker lauern – und der irak träumt
Im Hintergrund rüsten sich schon die Ersatzkandidaten. Der Irak führt die Liste an. Noch hat sich der Zwölfbaume-Staat über die interkontinentalen Play-offs sportlich offen, doch ein Sprung ins Turnier wäre auch politisch geschickt. Die Vereinigten Arabischen Emirate warten ebenfalls. Die FIFA wird nicht lange zögern, sollte Iran endgültig absagen.
Bislang ist nichts entschieden. Die Qualifikation gilt, die Einreise ist laut Infantino „technisch kein Problem“, trotz US-Einreiseverbot für iranische Staatsbürger. Die Uhr tickt. Die Vorbereitungspläne laufen. Und die Spieler? Sie trainieren, ohne zu wissen, ob sie im Sommer in Los Angeles oder im Fernsehen zuschauen.
Die WM 2026 beginnt in zwölf Monaten. Die erste große Frage steht schon jetzt: Wird Iran antreten oder Geschichte schreiben – als erstes Land seit 74 Jahren, das eine Endrunde boykottiert? Die Antwort liegt nicht im Sport, sondern im Krieg, der tausende Kilometer entfernt weiterlodert. Der Ball ist rund, die Politik eckig. Und die Uhr tickt weiter.
