Inka grings schlägt zurück: ihr kampf gegen rufmord und die wm-warnung an musiala
„Ich habe mir sogar einen Medienanwalt genommen – es ging um Verleumdung und Rufmord.“ Mit diesem Satz reißt Inka Grings den Vorhang hoch, der zwei Jahre über ihr Leben als Trainerin fiel. Die 47-Jährige, einst DFB-Torjägerin, später Champions-League-Halbfinalistin mit Zürich, spricht im Sport1-Gespräch offener denn je über jene Wochen, in denen sie in Deutschland plötzlich als Sündenbock dastand.
Die schweiz, der skandal, die isolation
Grings erzählt, wie der SV-Straelen-Sozialabgaben-Streit sie erfasste. „Ich hatte einen normalen Arbeitsvertrag“, betont sie, doch die Schlagzeilen drehten sich um ausgebliebene Zahlungen, die sie nie zu verantworten hatte. Der Dachverband reagierte prompt: Vertrag aufgelöst, Stuhl weg, Ruf ruiniert. „Am Ende war das der Grund, warum ich meinen Job bei der Nationalmannschaft verloren habe.“ Die Folge: Schweigen, Rückzug, Selbstzweifel. Bis heute hat kein offizieller Dementi stattgefunden.
Doch Grings ist nicht jemand, der lange am Boden bleibt. „Ich reflektiere und starte immer bei mir“, sagt sie knapp. Club Brügge rief, sie ging, formte belgische Nationalspielerinnen, holte die Torschützenkönigin. „Ich liebe diese Art von Arbeit“, wirft sie ein, als wäre nichts gewesen.

Popp zum bvb: „ein traum, der realität wird“
Alexandra Popp und Borussia Dortmund – für Grings keine Marketing-Nummer, sondern logische Konsequenz. „Ralf Kellermann holt Kompetenz, Alex bringt Kompetenz.“ Die 33-jährige Stürmerin könne eine junge Mannschaft führen, bleibe verletzungsarm, liefere 20 Tore pro Saison. „Risikofrei“, lautet ihr Urteil. Dabei klingt ihre Stimme so, als hätte sie den Transfer selbst initiiert.

Musiala-alarm: „die wm kann zu früh kommen“
Grings schaltet sofort auf Analystin um, wenn sie über Jamal Musiala spricht. „Sein Talent ist unbestritten, aber er ist sehr verletzungsanfällig.“ Sie zieht Parallelen zu einer Zürcher Spielerin, die sie mit individuellem Belastungsplan wieder auf Vordermann brachte. „Jeder längere Ausfall bedeutet, dass deine körperlichen Voraussetzungen nicht stabil sind.“ Ihr Rat: lieber eine Turnierpause als ein halbes Jahr Reha. Julian Nagelsmann solle sich nicht von der medialen Euphorie treiben lassen. „Auf Nationalmannnungsebene ist das nur eingeschränkt steuerbar.“

Frauenfußball jenseits von männervergleichen
„Frauenfußball ist Fußball – Punkt.“ Mit dem Satz beendet Grings jede Diskussion über vermeintliche Defizite. Sie sieht die wachsende Akzeptanz, nennt Dortmunds Fan-Kultur „Vorbild“, fordert aber: „Wir müssen aufhören, ständig den Männerfußball als Maßstab zu nehmen.“ Die nächsten Idole seien schon da, nur müssten sie Spielzeit bekommen – und eben keine Lückenfüllerrollen.
Die deutsche Nationalmannschaft? „Mentalität und Charakter stimmen, aber am Ende zählen Titel.“ Grings’ Forderung: mehr internationale Erfahrung für U-20-Spielerinnen, mutige Aufstellungen in der Liga, klare Ergebnisse auf dem Platz. Sonst bleibt die DFB-Auswahl ein ewiges Talent-Reservoir ohne Krönung.
Der blick zurück als weg nach vorn
Zwei Kilometer vom RheinEnergieSTADION entfernt, in einem Café am Kölner Rheinauhafen, endet das Gespräch. Grings bestellt noch einen Espresso, lächelt dabei fast ein wenig versonnen. „Ich bin super dankbar für jede Erfahrung“, sagt sie und meint es so. Die Rufmord-Kampagne hat sie nicht gebrochen, sondern geschliffen. Die WM 2027 rückt näher, und wer weiß: Vielleicht sitzt Inka Grings dann nicht mehr im TV-Studio, sondern wieder auf der Trainerbank – und Deutschland fragt sich, warum es sie je hat ziehen lassen.
