Nagelsmann verzichtet auf musiala: die wm-generalprobe wird zur schonung

Julian Nagelsmann tritt mit 25 Mann an, doch der Star, der die B-Note gibt, fehlt. Jamal Musiala bleibt zu Hause, weil sein Sommer-Bein wieder meldete. Die Schweiz bekommt am Freitag eine DFB-Elf zu sehen, die sich selbst noch erfinden muss.

Die letzte einheit in herzogenaurach war lautlos

Kein Jubel, kein Pfiff, nur das Knirschen von Stollen auf frisch gewalztem Kunstrasen. Nathaniel Brown rannte mit, aber seine Bewegungen wirkten wie ein Satz mit drei Punkten am Ende: abgehackt, vorsichtig. Der Rest des Kaders schwitzte durch Formläufe, die wie auswendig gelernte Choreografien wirkten. Die 25 Körper waren da, nicht aber der Rhythmus, den Musiala sonst vorgibt.

Die Entscheidung fiel am Mittwochabend, nachdem der 21-Jährige im Training eine unangenehme Reaktion spürte. Nagelsmann legte den Hörer auf, Bayern legte den Spieler auf die Seite. Kein Drama, nur Logistik. Aleksandar Pavlovic meldete sich wegen der Hüfte ab, Felix Nmecha wegen des Knies. Drei Ausfälle, kein Aufschrei – der Kader ist breit genug, sagt man sich in der Adidas-Kantine, wo die Taktik-Bretter schon wieder für den Flug nach Basel gepackt sind.

Basel wird zur nullnummer – oder zur offenbarung

Basel wird zur nullnummer – oder zur offenbarung

Die Schweiz wartet mit einem Experiment. Murat Yakin setzt auf Jungblut, Nagelsmann auf Notlösungen. Serge Gnabry soll die Musiala-Lücke füllen, doch der ist Flügel, kein Zentrum. Florian Wirtz wird nun doppelt bewacht, denn wer sonst soll das Spiel erfinden? Die Pressekonferenz um 18.15 Uhr wird vor allem Fragen nach der Einsatzminute von Emre Can beinhalten – ein Defensivmann als Notgroschen für die Kreativlücke.

Die Logistik ist abgefrühstückt: Abflug 14.30 Uhr, Check-in im Grand Hotel Les Trois Rois, dann Team-Meeting mit Videoanalyse. Die letzte Szene zeigt Musialas Hände auf den Oberschenkeln – ein Bild, das keiner auf die Leinwand wirft. Stattdessen laufen die Blicke auf Maximilian Beier, der plötzlich vom 12. Mann zum ersten Plan wird. Nagelsmann redet von „Flexibilität“, doch das klingt wie ein Codewort für „wir probieren uns durch“.

Die WM ist noch acht Monate entfernt, doch schon jetzt zeigt sich: Die deutsche Elf ist keine Maschine, sondern ein Kartenhaus. Zieht man eine Figur, wackelt das Ganze. Die Fans in Basel werden trotzdem singen – vielleicht gerade deshalb. Denn wer bei der Generalprobe schon die Stimme verliert, wird im Dezember nichts zu sagen haben.