Indian wells: andreeva platzt der kragen, alcaraz zittert trotz 12 winners
Mirra Andreeva schleudert den Schläger in die Wüstenluft, der Ball kullert unerreichbar auf ihrer Seite – und mit ihm ihre Titelverteidigung. In der dritten Runde von Indian Wells drehte die 18-jährige Russin wegen eines Netcords durch, beschimpfte das Publikum und stampfte rückwärts in die Kabine. Die Wüste schluckt Favoriten: Neben Andreeva flogen am Montag auch Alex de Minaur und Alexander Bublik raus.
Netzroller wird zur zerreißprobe
Katerina Siniaková, eigentlich die Ungesetzte, hatte im Match-Tiebreak den Aufschlag. Ihr Stoppball touchierte die Kante, hopste kurz, fiel tot – und das Stadion hielt den Atem an. Andreeva warf ihren Schläger weg, ging ans Netz, schrie ein paar Fans an, die sie zuvor angefeuert hatten. «Natürlich freut mich das Ende», sagte Siniaková trocken, «aber ich habe mich gefragt, ob ich jubeln soll.» Die Tschechin zog in Runde drei ein, die Titelverteidigerin musste unverrichteter Dinge nach Las Vegas abreisen – dort wartet bereits die nächste Hartplatz-Veranstaltung.
Die Statistik des Tages: Andreeva kam auf 33 Winner, schlug aber auch 41 Fehler. Die Nerven ließen sie im Stich, nicht die Technik.

Alcaraz bügelt fehler mit null-fehler-satz
Während die Wüste um Andreeva brodelte, schraubte Carlos Alcaraz seine Siegesserie auf 14:0. Gegen Arthur Rinderknech gab er den ersten Satz ab – 6:7 –, drehte dann aber auf wie ein Turbomotor. Im dritten Satz schlug er 12 Winner, machte keinen einzigen unerzwungenen Fehler. «Ich war wütend auf mich, weil ich Breakbälle vergab», sagte er hinterher, «aber ich habe die Ruhe bewahrt.» Die Ruhe, die Andreeva verloren hatte.
Novak Djokovic kam ebenfalls durch, ließ Kovacevic aber einen Satz abnehmen. 16 Asse des US-Boys reichten nicht, um die Serben-Maschine zu stoppen. Djokovic trifft nun auf Holger Rune, Alcaraz auf Jiri Lehecka – zwei Matches, die schon im Achtelfinale wie Halbfinale wirken.

Zverev und tiafoe liefern sich nächsten krimi
Am Dienstag steht Alexander Zverev vor einer weiteren Gradwanderung. Gegen Frances Tiafoe hat er in dieser Saison schon ein Fünfsatz-Drama in Melbourne hinter sich. In der Wüste wird der US-Boy wieder jede Menge Publikum auf seiner Seite haben. Zverev muss seine Aufschlag-Quote über 70 % bringen, sonst wird Tiafoe ihn mit Return-Gewinnern überrollen.
Bei den Damen schließt sich der Kreis: Aryna Sabalenka trifft auf Naomi Osaka. Vier Grand-Slam-Titel gegen die aktuelle Nummer eins – und eine Frage, die durch die Wüste geistet: Kann Osaka nach der Babypause wieder ganz nach oben? Die Quoten sprechen gegen sie, das Publikum für sie.
Die Tore von Indian Wells öffnen wieder um 11 Uhr Ortszeit. Die Wüste hat noch ein paar Überraschlungen in der Hitze – und mindestens einen Schläger weniger im Köcher.
