Rot-weiße tragödie: altona 93 schlittert trotz 3.791 fans in den abstiegsstrudel

Die Adolf-Jäger-Kampfbahn bebte, aber am Ende stand wieder das alte Lied: 2:3 gegen Lübeck, siebte Niederlage nacheinander, rote Laterne. 3.791 Zuschauer – Saisonrekord – sahen, wie zwei Blackouts und ein Abseitstor die Moral-Show zunichte machten.

Trainer Andreas Bergmann, 66, stützte sich nach Abpfiff auf die Bande, als wolle er das Stadion festhalten. „Wir werden bis zum Ende mutig fighten“, sagte er mit heiserer Stimme. Die Worte klangen wie ein Schwur – und wie ein Abschied. Denn wer die Tabellenlage studiert, findet Altona 93 auf Rang 18, die direkte Rückkehr in die Oberliga Hamburg schreibt sich in fetten Buchstaben über das grün-weiße Logo.

Individuelle fehler mit system

Michael Ambrosius grätschte in der 12. Minute unnötig in Lübecks Stürmer, Abdullah Yilmaz spielte 180 Sekunden nach Wiederanpfiff einen Rückpass wie auf dem betonierten Kiez. Beide Patzer landeten im Netz, beide Male schwieg die Nordtribüne für eine Sekunde, bevor der Lübecker Block losbrüllte. „So verschenkst du keine Punkte in der Regionalliga“, murmelte ein Fan und knöpfte sich sein Trikot auf, als wolle er die Schmach ablegen.

Moritz Göttel, Neuzugang aus Hannover, netzte per Elfmeter zum 2:3, schürfte sich anschließend das Knie auf dem sandigen Rasen und schrie sich die Seele aus dem Leib. Elf Minuten Nachspielzeit folgten, in denen Altona alles warf – nur kein Ausgleich. Die Ehrenrunde danach wirkte wie eine Generalprobe für die Verbandsliga: Spieler mit hängenden Schultern, Fans, die sich selbst feierten, weil sie lauter waren als die Niederlage.

Präsident törber zieht notbremse – und lässt den trainer

Präsident törber zieht notbremse – und lässt den trainer

Ragnar Törber, seit Januar im Amt, sprach von „Maximum“ und „menschlicher Passung“. Er lobte Bergmann und Co-Trainer Andre Trulsen, als hätte das Team gerade die Meisterschaft eingefahren. Die Realität: ein Sieg seit Oktober, Pokal-Aus im Viertelfinale, acht Heimspiele, in denen noch acht Punkte her müssen. „Wir wussten, wie groß die Herausforderung ist“, wiederholte Törber wie ein Mantra. Die Frage ist nur: Wissen das auch die Spieler?

Am Samstag kommt der Hannoversche SC, ebenfalls Aufsteiger, mit drei Punkten Vorsprung. Die Adolf-Jäger-Kampfbahn wird wieder voll sein, die Nordkurve wird wieder brüllen. Aber wenn Göttel & Co. nicht endlich 90 Minuten lang aufwachen, wird die Ehrenrunde am Ende des Jahres in Buchholz oder HT 16 stattfinden – ohne Lübecker Gäste, ohne Rekordkulisse, nur mit dem bitteren Beigeschmack einer vertanenen Saison.