Iannetti fegt in zehn minuten zwei monsterpots und jagt valduga beim ipc-main
Roberto Iannetti brauchte nur zwei Hände, um das Casino Campione in einen Hexenkessel zu verwandeln. Beim Day 2 des Italian Poker Challenge Main Events schob er binnen zehn Minuten zwei Riesenpötte über die Mittellinie – ohne je eine Premium-Hand gesehen zu haben. Mit 869.000 Chips geht Manuel Valduga zwar weiter in Führung, doch der 29-jährige Römer schob sich mit dem spektakulärsten Spieltag direkt dahinter.
Flop-achtung: set gegen overpair und ein regelkracher
Hand eins, Level 14. Blinds 2.000/4.000, Iannetti sitzt im Big Blind. Der Flop fällt A♦ Q♠ 3♣, Original-Raiser setzt 10.000, Iannetti callt mit 3-3. Noch bevor der Turn kommt, warnt der Dealer: „Karte zurück, bitte.“ Der dritte Mann will noch handeln – eine selten angewandte Turn-Back-Regel. Die Karte wandert zurück ins Deck, der Gegner schiebt All-in, Iannetti snappt. Seine Drillinge halten gegen A-Q, zwei Paare des Gegners, der Rest des Feldes schaut in ungläubige Gesichter. 180.000 an Stapeln rücken Richtung Iannetti.
Minuten später Tisch 17 wieder im Ausnahmezustand. Fünf Spieler sehen Q♠ T♦ 9♦. 20.000 Opening-Bet, drei All-ins – und Iannetti deckt K♦ J♦ auf: floppede Straight. Seine Gegner haben jeweils Set mit Neunen und Zehnen. Turn und River bringen keine Vierung, der Italiener räumt den 540.000-Pot ab. „Das war kein Glück, das war Timing“, sagt er später knapp.

Die blase platzt – per disqualifikation
Während Iannetti die Chipwäsche betreibt, wartet der Rest des Feldes auf den berühmten Bubble-Knall. Doch der kommt anders. Ein Spieler verliert die Nerven, schlägt mit der Hand auf den Tisch und bekommt nach Protest der Gegner die rote Karte. Erste Regel: Chips raus, Platz verlassen. Der Main Event der dritten Italian Poker Challenge Edition rückt sofort ins Preisgeld – ohne einen einzigen All-in vor der Bubble. Selten, aber laut Turnierleiter „absolut nach Regelwerk“.
Übrig bleiben 98 Spieler, alle sicher mindestens 1.200 Euro. Angeführt wird die Jagd auf die 92.000-Euro-Spitze von Manuel Valduga mit 869.000 Chips. Der 35-jährige Bankangestellte aus Bozen fliegt unter dem Radar, spielt aber fast fehlerfreies Short-Stack-Poker. Hinter ihm lauert Eduard Fondus (672.000), der schon das PokerStars Open in Campione dominierte. Claudio Di Giacomo (455.000) und Giada Fang (342.000) halten die italienische Fahne hoch – Fang als einzige Frau im Feld.
Psychokampf statt pokerspaß
Heute startet Day 3 – und das Finale rückt in Reichweite. Die Blinds explodieren, die Average-Stack-Höhe liegt bei 28 Big Blinds. „Jeder weiß, dass er bereits bezahlt wird, aber niemand will mit Min-Cash nach Hause“, sagt Fang. Der Druck steigt: Wer früh ausscheidet, bekommt genauso viel wie Platz 98. Die Aggression nimmt zu, die Spielgeschwindigkeit verdoppelt sich fast.
Iannetti klingt nach den Turbos gelassen: „Ich habe nichts zu verlieren. Die Chips liegen vor mir, nicht im Tresor.“ Tatsächlich hat er genug, um den Final Table zu umkreisen. Ob Valduga seine Führung verteidigt oder der Römer mit dem Rückenwind der Monsterpots bis zum Titel durchmarschiert, entscheidet sich in den nächsten zwölf Stunden. Die Karten liegen offen – und die Nerven blank.
