Nebel zieht mainz raus – frankfurt versinkt im bruchwald

Paul Nebel hat es wieder getan. Zwei Schüsse, sechs Punkte, ein Glaube. Mit seinem Doppelpack schraubte der 23-Jährige Mainz 05 auf Platz 14 und versenkte Eintracht Frankfurt tief in der Krisenmulde. Die Kurve sang seinen Namen, der Sturmheld selbst hielt die Hände ans Ohr – als wollte er das Echo festnageln.

Es war kein Fußballspiel, es war ein Befreiungsschlag. Nach dem Conference-League-Coup von Donnerstag drohte der Kater, stattdessen servierte Nebel den nächsten Espresso. „Wir haben gezeigt, dass wir nicht nur Europapokal können, sondern auch Abstiegskampf“, sagte Trainer Urs Fischer, und man hörte den Schweizer fast lächeln.

Nebels antwort auf die tribüne

Die Geschichte kennt jeder in Mainz: Winterpause, kein Einsatz, Gerüchte, Frust. Nebel schlug nicht mit der Faust auf den Tisch, er lief einfach weiter. 120 Extra-Treffer nach Training, sagt Athletikcoach Max Reckendorf, 120 kleine Protokolleinträge. „Er hat sich nicht versteckt, er hat sich gearbeitet“, so Fischer. Der Lohn: Seit fünf Spielen steht Nebel in der Startelf, seit fünf Spielen trägt er entweder den Sieg oder die Vorlage davon.

Gegen Frankfurt war es ein Kunstwerk mit Schmutzrand. Minute 38: Nebel dreht sich an der Strafraumgrenze, lässt Hasebe ins Leere rutschen, knallt die Kugel in den Winkel. Minute 71: Konter, Elmas legt quer, Nebel hält die Hacke rein – 2:0. Zwischen den Toren jagt Mainz jeden Ball wie einen Geldbetrag in letzter Minute. „Wenn du solche Woche hast, willst du sie dir nicht kaputtmachen“, sagt Nebel, und plötzlich klingt der Junge aus dem Taunus wie ein Captain.

Silvan widmer zieht die notbremse

Silvan widmer zieht die notbremse

Kapitän Widmer rennt nach dem Schlusspfiff nicht zur Nordkurve, sondern sammelt die Jungs ein. „Keine Party, keine Songs, nur Duschen“, befiehlt er. Er kennt die Tabelle. Vier Punkte Vorsprung auf Platz 16, sechs Spiele, davon drei gegen Teams, die noch Europapokal riechen. „Wir haben nichts erreicht außer Atem“, sagt Widmer. Die Worte kratzen, sie sind nötig.

Denn hinten rauscht der Abgrund weiter. Union gewann 3:0, Bochum 2:1, Köln 2:0. Die Konkurrenz lief, während Mainz feierte. Sportvorstand Martin Schmidt trommelt schon mit dem Zeigefinger aufs Handy: „Wir sind noch nicht sicher, wir sind nur lauter geworden.“

Der nächste Gegner heißt Stuttgart, dann Dortmund. Man wird wieder laufen müssen, wieder schwitzen, wieder Nebel brauchen. Er selbst schaut nach vorne, nicht zurück. „Ich habe gelernt, dass Talent nur die Eintrittskarte ist. Die Dauerkarte heißt Arbeit.“ Die Kurve wird ihn wieder rufen, und wenn er fällt, fällt Mainz mit. Aber heute, so viel ist klar, hat Paul Nebel der Stadt den Schlaf zurückgegeben – und vielleicht auch die Saison.