Hojlund: nach united-tief schießt er jetzt für neapel ins glück

Rasmus Hojlund lacht wieder. Der 22-Jährige brennt seit seinem Transfer vom Manchester United nach Neapel vor Selbstvertrauen – und das, wo man ihn in Dänemark bereits abgeschrieben hatte. „Ich habe die Freude am Fußball zurückgewonnen“, sagt er im Gespräch mit dem dänischen Sender TV2. Ein Satz, der in den Ohren der Premier-League-Scouts schmerzen muss.

Vom united-absturz zum neapel-hoch

Old Trafford war für Hojlund ein Kälteschock. 15 Liga-Spiele, nur ein Tor – die Zahlen sind ein Stigma. „Ich war nie wirklich im Strafraum, trotzdem wurde ich am Ende nur am Tor gemessen“, sagt er. In Neapel hat Trainer Antonio Conta ihn höher postiert, die Aufgaben klar verteilt: Laufwege statt Dauerduell, Tempogegenstöße statt Positionsgejammer. Ergebnis: Seit Dezember 2025 traf er achtmal in Serie A, zweimal in der ChampionsLeague. Die Azzurri liegen zwei Punkte hinter Tabellenführer Mailand – und Hojlund steht im Fokus der Tifosi.

Der Stürper selbst schreibt das nicht dem System, sondern der Mentalität zu. „Ich bin mein schärfster Kritiker. Wenn ich eine Chance vergebe, schlafe ich schlecht. Aber ich bin nicht mehr der Junge, der sich von englischen Zeitungen zerreiben lässt.“ Stattdessen studiert er jetzt Videoanalysen mit Contas Assistenten bis Mitternacht. Ein Detail: Er trainiert zusätzlich 15 Minuten Abschluss mit linkem Fuß – einst seine Schwäche, heute seine Überraschung.

„Urlaub? erst nach dem weltcup“

„Urlaub? erst nach dem weltcup“

Am Strand von Posillipo flirtet ein Fan mit einem Selfie-Stick. Hojlund nickt, zieht die Kapuze tiefer. „Ohne Kamera bin ich hier fast unsichtbar“, sagt er und grinst. Doch die Anonymität endet spätestens am 8. Juni im Play-off-Hinspiel gegen Mazedonien. Dänemark muss gewinnen, sonst fliegt der EM-Viertelfinalist erstmals seit 1992 aus der Endrunde. Hojlund spuckt ins Sandkorn: „Wenn wir das nicht schaffen, ist die Saison gescheitert – egal, wie viele Tore ich geschossen habe.“

Seine Sommerplanung ist entsprechend knapp: keine Hotelreservierung, kein Flugticket. „Ich buche erst, wenn wir qualifiziert sind. Punkt.“ Die Maglia Azzurra hat ihm wieder Selbstvertrauen gegeben, die Rote Karte gegen Schottland (Bauchvirus, mehrere Erbrechenattacken) nur kurz gebremst. Inzwischen trägt er wieder die Kapitänsbinde der U-23 – ein Signal an United, dass der Preisschild von 70 Millionen Euro kein Fehlkauf war.

Abschiedsworte? Hojlund zuckt die Schultern: „Manchester war ein Kapitel, kein Grab. Ich bin 22, nicht 32. Und wenn ich nächste Woche gegen Leverkusen treffe, schreibt die englische Presse wieder über mich – diesmal ohne ‚Flop‘ im Titel.“ Die Karriere ist ein Spiel mit offenem Ende. Für Hojlund beginnt gerade der zweite Akt – und der sieht nach Drama statt Drama aus.