Höfl packt aus: beckenbauer hätte uefa-chef werden können – warum er nein sagte

Franz Beckenbauer als UEFA-Präsident? Seine Finte gegen Digitalisierung war legendär, seine Absage an den europäischen Thron jedoch bizarr. Manager Marcus Höfl enthüllt im Sport1-Podcast Deep Dive, warum der Kaiser 2011 die Machtfrage mit einem entschiedenen „Nein“ beantwortete – und wie nah er daran war, Europas Fußball zu lenken.

Die millionen-menge am brandenburger tor war nur der auftakt

2006, Public-Viewing-Area Berlin. Höfl steht neben Beckenbauer, schaut auf eine Meer von Menschen. „Eine Million, behaupten Statistiker später. Ich sah nur seine Augen – kindlich, fasziniert, stolz“, sagt Höfl. Der Satz, der ihm in Erinnerung bleibt: „So hat der liebe Gott sich die Welt vorgestellt.“ Doch hinter der Idylle brodelte ein Machtpoker, den kaum jemand mitbekam.

Platini plante seinerzeit den Sprung ins FIFA-Präsidentenamt. Die europäischen Verbände suchten einen Gegenkandidaten, der Verbindungen pflegt statt polarisiert. Ein Konsens kristallisierte sich hinter den Kulissen: Beckenbauer. Höfl: „Ich habe niemanden gesehen, der das besser könnte. Franz hatte das vereinendste Talent, das ich je erlebt habe.“

Warum der kaiser keine e-mail-adresse brauchte

Warum der kaiser keine e-mail-adresse brauchte

Die Antwort folgt auf dem Fuße – und klingt zunächst banal. „Er wollte einfach nach Hause“, sagt Höfl. Jahrzehntelang absolvierte Beckenbauer Globetrotter-Programme: WM-Organisation, FIFA-Exekutive, TV-Termine, Stiftungsgala. „Irgendwann sagt er:>Marcus, ich will meine Enkel nicht nur auf Fotos sehen.<“

Diese Menschlichkeit passte zur Digital-Phlegma des Münchner. Beckenbauer besaß nie eine Mail-Adresse. „Er fand Technik lästig, aber er war schlau genug, sich Leute zu suchen, die das für ihn erledigen“, schmunzelt Höfl. Das Prinzip Delegieren zog sich durch seine Karriere – und ebnete eben auch den Weg in die Polit-Arena. Doch diesmal lehnte der Auftraggeber ab.

Der verpasste coup und seine folgen

Der verpasste coup und seine folgen

Höfls Stimme wird leiser, als er die Konsequenzen benennt. „Wirtschaftlich wäre es ein Turbo gewesen. Sponsorings, Beraterhonorare, Rede-Engagements – alles mit UEFA-Siegel.“ Doch für ihn zählt ein anderer Wert: „Das Image von Deutschlands Fußball hätte einen zweiten goldenen Schlag bekommen.“ Stattdessen rutschte der Posten an Michel Platini, später folgte der Golf-Krise wegen dessen Fall.

Beckenbauer selbst habe die Versäumnis nie bereut. „Er sagte:>Wenn ich UEFA-Boss werde, muss ich Weihnachten in Monte Carlo planen, nicht in München.