Giro d’italia: dumoulin enthüllt seine dunkelsten stunden und neue leidenschaften
Potenza, Italien – Tom Dumoulin, der frühere Starfahrer, hat im Rahmen des Giro d’Italia tief in seine Vergangenheit geblickt und dabei ein erschütterndes Geständnis abgelegt. Vier Jahre nach seinem Sieg in der Basilikata-Region offenbarte der Niederländer, wie er dem Radsport fast mit Abscheu entgegentrat und wie er letztendlich die Freiheit fand, indem er sich von den Erwartungen anderer befreite.
Die last der erwartungen: ein teufelskreis
„Für Jahre war mein Leben ein Teufelskreis“, gestand Dumoulin im Gespräch mit dem italienischen Sender Nos. „Jeder – Sponsoren, Fans, das Team, die Techniker – hatte eine klare Vorstellung davon, was ich tun sollte. Aber niemand fragte mich: ‚Tom, wie geht es dir?‘“ Diese ständige Belastung führte zu Depressionen und letztendlich dazu, dass er den Radsport hasste. „Ich hasste das Fahrrad“, so Dumoulin.
Der ehemalige Giro-Sieger, der nun als TV-Experte tätig ist, beobachtete das Rennen in Potenza mit einem Blick, der noch immer die Seele eines Gewinners verrät. Er erinnerte sich an die entscheidende Etappe nach Oropa, wo er im Rosa Trikot siegreich war und Pantani huldigte. „Ich näherte mich seiner Zeit und war stolz darauf“, sagte er.

Neuanfang und neue leidenschaften
Doch Dumoulin hat nicht nur über die Vergangenheit gesprochen. Er offenbarte auch, wie er seinen Weg zurückfand. „Ich habe mich befreit gefühlt“, erklärte er. „Ich habe wieder mit dem Radfahren für das Training und den Spaß angefangen. Und ich habe die Marathonläufe für mich entdeckt.“ Er wird zudem ab dem kommenden Jahr als Direktor der Amstel Gold Race fungieren. „Ich mache jetzt alles, was ich als Radfahrer nie gemacht habe. Es ist Zeit, Spaß zu haben und endlich selbst zu entscheiden, was ich tue.“
Die diesjährige Ausgabe des Giro d’Italia hat es in sich. Dumoulin äußerte sich besonders angetan von der geplanten 42 Kilometer langen Einzelzeitfahrt. „Die wird nicht entscheidend sein, aber sie wird viel über die Gesamtklassement aussagen“, prognostizierte er. Die zahlreichen Stürze, die bereits zu Buche schlugen, zeigten die brutale Seite des Radsports. „Manchmal ist es gefährlich“, so Dumoulin. „Wenn man auf nasser Fahrbahn mit 60 Stundenkilometern in ein Geländer kracht… da kann man nichts machen.“
Auch Jonas Vingegaard, sein ehemaliger Teamkollege, beeindruckte Dumoulin. „Er war wirklich großartig. Auch Van Eetvelt und Pellizzari waren in Form. Das war ein erster Test, aber noch zu kurz, um wirklich etwas zu sagen. Die hohe Bergfahrt wird eine andere Geschichte erzählen.“

Vingegaard als favorit und die hoffnung auf einen italienischen sieg
Dumoulin sieht in Jonas Vingegaard den klaren Favoriten. „Er hat zwei Touren gegen Pogacar gewonnen und auch eine Vuelta. Wenn er keine Probleme hat, wird er den Giro gewinnen und damit die Triple Crown perfekt machen.“ Trotz des Rückzugs von Wilco Kelderman hält er die Chancen von Pellizzari für gut. „Er ist talentiert, und ich hoffe wirklich für die italienischen Fans, dass er es schafft. Ich weiß, wie sehr ihr auf einen italienischen Sieger seit 2016 wartet.“
Die Geschichte von Tom Dumoulin ist eine Geschichte von Triumph, Tragödie und letztendlicher Befreiung. Ein Mahnmal dafür, dass selbst die größten Champions ihre Dämonen bekämpfen müssen, um ihr wahres Glück zu finden. Und ein Beweis dafür, dass das Leben nach dem Radsport noch lange nicht vorbei sein muss.
