Hedegart will zurück: der olympiasieger, der sich nicht entscheiden kann
Einar Hedegart hat gerade drei olympische Medaillen im Langlauf geholt – und kündigt schon den nächsten Coup an: Er will wieder in den Biathlon-Weltcup. Der Norweger hofft auf einen Anruf, bittet Johannes Thingnes Bö um Hilfe und spielt sich selbst als siebten Mann in die Nationalmannschaft.
Die Fakten klingen wie ein Drehbuch. Im Februar sprintete er in Mailand-Cortina mit der Staffel und im Teamsprint zu Gold, holte über 10 km Freistil Bronze. Nun sitzt der 24-Jährige in Oslo und erklärt der Zeitung Verdens Gang, er warte auf zwei Anrufe: einen vom Langlauf-Verband, einen vom Biathlon-Verband. Wer zuerst klingelt, bestimmt seine Zukunft.
„Ich muss ein bisschen lobbyarbeit leisten“
Hedegart weiß, dass seine Schießleistungen ihn damals rauswarfen. 2023 wurde er noch Junioren-Weltmeister, danach wechselte er wegen zu vieler Strafrunden in die Loipe. Dort wurde er schneller, aber nicht besser im Anlegen. Also nutzt er jetzt Prominenz als Druckmittel. Johannes Thingnes Bö, 91 Weltcup-Siege, soll beim Norwegischen Skiverband ein gutes Wort einlegen. „Wir werden sehen, wie viel Einfluss er wirklich hat“, sagt Hedegart. Der Superstar hat direkten Kontakt zur Führung, bestätigt er. Es klingt nach einem Transfer, der in der Sommerpause sonst nur der Fußball-Bundesliga vorbehalten ist.
Der Verband schwieg bisher. Cheftrainer Per Arne Botnan muss sich fragen lassen, ob er einen siebten Mann will, der vor zwei Jahren noch nicht treffen konnte. Die interne Rangliste ist eng. Vetle Sjåstad Christiansen, Tarjei Bö, Sturla Holm Lægreid – alle haben sich in den letzten Monaten für Plätze hinter den gesetzten Fünf empfohlen. Hedegart bietet sich als Marketing-Gag an: Der Olympiasieger, der zurückkommt, weil er sich langweilt.

Der wechsel ist längst in der dna
Seine Karriere liest sich wie ein Pingpong-Spiel. 2024 debütierte er in Lillehammer im Langlauf-Weltcup, vier Monate später stand er beim Biathlon in Kontiolahti am Schießstand. Zwischendurch fuhr er nach Schweden, um Sprintstrecken zu testen, und nach Obertilliach, um auf 50 Meter zu schießen. Die Medien nannten ihn „Doppelagent“, er selbst sagt: „Ich bin einfach neugierig.“
Die Neugier kostet Zeit. Wer zwei Sportarten bedient, trainiert doppelt so viel und verdient halb so viel Geld. Sponsoren wollen klare Storys: Gold im Langlauf oder Sieg im Biathlon. Hedegart liefert beides, aber nie in einem Winter. Jetzt droht ihm das gleiche Dilemma. Sagt der Langlauf-Verband zu, fliegt er auf die Sommer-Tour nach Chile. Sagt der Biathlon-Verband zu, rückt er in die Sommer-Gruppe nach Sjusjøen ein. Beides geht nicht – die Wettkampfkalender kollidieren ab Oktober.

Die uhr tickt laut
Mit 24 Jahren ist er jung genug, um noch mal umzusteigen, aber alt genug, dass die Konkurrenten nicht mehr warten. Die nächste Saison führt den Biathlon-Weltcup erstmals nach Salt Lake City, die Langläufer reisen nach Davos und Toblach. Hedegart muss sich bis Mai entscheiden, sonst verpasst er die Qualifikationsrennen. Sein Management hat schon angefragt, ob man Startplätze tauschen kann – ein Novum, das die FIS und IBU erst klären müssten.
Die Fans sind gespalten. Die einen feiern ihn als Multitalent, die anderen als Aufmerksamkeitsgeilen. In Norwegen zählt nur der Sieg, egal ob mit Gewehr oder ohne. Hedegart selbst schließt das Gespräch mit einem Satz, der klingt, als hätte er schon gewonnen: „Ich bin zuversichtlich, dass es nach so einer Saison ein Nationalteam für mich gibt.“ Ob mit oder ohne Bö, mit oder ohne Schießtraining – er wird anrufen, bis jemand abhebt. Und wenn beide Verbandschefs gleichzeitig klingeln? Dann nimmt er einfach beide Anrufe an. Bei Hedegart wäre das kein Widerspruch, sondern logische Konsequenz.
