Hanfmann lässt marrakesch zittern – jetzt jagt er den nächsten prügel
Yannick Hanfmann ballt die Faust, stampft rote Staubwolken aus dem marokkanischen Lehm – und marschiert weiter. Der Karlsruher hat beim ATP-250-Event in Marrakesch den Niederländer Jesper de Jong mit 7:6 (8:6), 6:4 weggeschickt und steht im Achtelfinale. Das bedeutet: morgen Abend spielt er gegen Karim Bennani, einen 22-jährigen Wildcard-Marokkaner, der vor eigenem Publikum kaum noch zu halten ist.
Die hanfmann-maschine läuft heiß
Seit dem Final-Einzug in Santiago de Chile Anfang März ist Hanfmann auf Sand 8:2 – und das bei 34 Jahren, wo andere bereits über Coaching-Jobs nachdenken. Die Leistung gegen de Jong war kein Glückstreffer: 73 % Erste Aufschlagquote, 22 Winner, nur elf unerzwungene Fehler. Dazu ein Return-Game, das dem Niederländer die Beine wegzog. „Ich bin hier, um Titel zu holen, nicht um Ferien zu machen“, sagt er, ohne zu lächeln.
Die Konsequenz: morgen um 19:30 Uhr Ortszeit trifft er auf Bennani, ATP 312, aber mit Publikum im Rücken wie ein Siebter Mann. Die Centrale Court-Tribüne in Marrakesch kocht schon beim Warm-up; wer einmal marokkanische Fans erlebt hat, weiß: die singen dich tot, bevor du den ersten Ball schlägst.

Deutschland fehlt – hanfmann nicht
Während Oscar Otte, Daniel Altmaier und Co. bereits in Miami oder auf dem Weg nach München sind, ist Hanfmann der letzte verbliebene deutsche Akteur auf der ATP-Tour dieser Woche. Keine Verbandstrainer, kein Hype – nur sein Physio und ein Laptop mit Match-analytics. Das reicht. Er gewinnt Satz um Satz, sammelt Punkte für die Top-50-Rückkehr und verlangt seinem 34-jährigen Körper ab wie einem 24-jährigen.
Die Zahlen sprechen: 28 Saisonsiege, Platz 58 in der Live-Race, 205.000 Dollar Preisgeld – schon mehr als im gesamten Vorjahr. Aber die wahre Story steckt zwischen den Zeilen: Hanfmann spielt Tennis, als wäre es seine erste und letzte Woche – und genau das macht ihn brandgefährlich.
Trifft er Bennani, wartet im Viertel eventuell Roberto Carballés Baena, danach vielleicht Lorenzo Sonego. Der Weg zum Titel ist kein Spaziergang, sondern eine Schikane aus Lärm, Hitze und Druck. Hanfmann sagt nur: „Ich kenne Sand, ich kenne Einsamkeit – und ich kenne das Gefühl, wenn ein ganzes Stadion gegen dich ist. Dann musst du lauter spielen als sie singen.“
Marrakesch hat heute Nacht einen neuen Liebling. Er trägt kein Djellaba, sondern ein schwarzes Wilson-Cap und schlägt Bälle, die wehtun. Wer jetzt noch schläft, verpasst die Szene, wie ein Deutscher die Wüste zum Beben bringt.
