Marco schwarz steht am scheideweg: speed oder technik?
Marco Schwarz spürt den Druck. Nach einer Saison, in der er im Slalom nur noch Schatten seiner selbst war, muss der 30-Jährige umdenken. Die Antwort auf die Frage nach seiner Zukunft liegt irgendwo zwischen Livigno und Val-d'Isère – zwischen seinem Super-G-Sieg und seinem besten Slalom-Resultat auf Platz acht.
Die qual der wahl
„Ich muss in mich gehen“, sagt Schwarz. Dieser Satz klingt nach Psychotherapie, ist aber pure Selbstdiagnose. Der Steirer hat erkannt: Wer alles will, bekommt nichts. Die beiden Weltcup-Siege in dieser Saison – Super-G in Livigno, Riesenslalom in Alta Badia – täuschen über das fundamentale Problem hinweg. Im Slalom, einst seine Königsdisziplin, ist er nur noch Durchschnitt.
Die Zahlen sind gnadenlos. Rang 29 in Garmisch-Partenkirchen als bestes Downhill-Resultat. Platz acht in Val-d'Isère als Slalom-Light. Dazwischen: Luft. Viel Luft. „Vielleicht habe ich mir zu viele Gedanken gemacht“, gesteht Schwarz. Das klingt nach einem Athleten, der sich selbst analysiert hat kaputt.

Die zeit arbeitet gegen ihn
Mit 30 Jahren tickt die Uhr. Jeden Tag, den Schwarz im Slalom-Training verbringt, fehlt ihm im Speed-Bereich. Jede Abfahrt, die er fährt, kostet Slalom-Feeling. „Mir ist bewusst, dass ich im Slalom sehr viel Zeit investieren müsste, damit es wieder nach vorne geht. Dasselbe gilt aber auch für die Abfahrt.“
Die Olympia-Katastrophe von Mailand-Cortina sitzt tief. Schwarz durfte nicht einmal trainieren – ein peinlicher Fauxpas des ÖSV. Diese Demütigung hat Spuren hinterlassen. Wer sich nicht mal auf die Startliste bringt, der muss sich fragen: Bin ich noch Top oder nur noch Tourist?
Die Antwort wird der Sommer geben. Schwarz wird in sich gehen müssen. Ganz tief. Denn die Zeit läuft – und sie läuft nicht für den Slalom-König von gestern.
