Handball360 startet durch: 500 tester zerreißen neues dhb-system

Seit März jagt der Deutsche Handballbund seine Verbandssoftware durch den Prüfstand – und die 500 Piloten nageln live mit echten Daten jeden Bug ans Kreuz. Ergebnis: binnen 48 Stunden fliegt jede Fehlermeldung zurück ins spanische Headquarter von Toools, wird korrigiert und landet sofort wieder auf den Bildschirmen der Landesverbände.

Clemente Sierra, Gesellschafter der Firma Toools, sitzt dabei mitten im Frankfurter DHB-Büro, ständig kommen Mitarbeiter mit Fragen herein. „Wir schrauben Handball-Deutschland in Echtzeit zurecht“, sagt er knapp. Die Devise: erst testen, dann skalieren. Und das funktioniert offenbar. „Wir sind im Zeitplan“, bestätigt Dr. Klaus Berding, Vorstand Finanzen und Recht. Drei Meilensteine stehen auf dem Prüfstand: Datenmigration, Pilotlauf und das Frontend für Website und App.

500 Piloten zerlegen das system, bevor es flächendeckt startet

Die Tester kommen aus allen 22 Landesverbänden und übernehmen genau die Rolle, die sie später auch im Alltag haben: Vereinsverwalter, Schiedsrichteransvar, Wettbewerbsleiter. Keine simulierten Szenarien, sondern echte Spielberichte, echte Lizenzanträge, echte Mitgliederdaten. „In dieser Phase darf ruhig was krachen“, sagt Matthias Lahr, Leiter Digitales Marketing. „Je mehr Lücken wir jetzt finden, desto glatter läuft der Saisonstart 2026/27.“

Das spanische Ausgangssystem iSquad wurde seit Sommer 2025 Stück für Stück an deutsche Eigenheiten angepasst: Doppelspieltermine, Jugendspielberechtigungen, Härtefallregelungen. Die Programmierer in Valencia bekommen das Feedback in Slack-Kanälen und passen den Code im 48-Stunden-Takt an. „Wir bauen Handball-Deutschland neu und lassen dabei die Experten selbst Hand anlegen“, sagt Sierra.

Landesverbände bekommen demo-days – vereine sollen jetzt daten putzen

Landesverbände bekommen demo-days – vereine sollen jetzt daten putzen

Vor dem finalen Bundesratsvotum am 28. März zeigt der DHB den Präsidenten und Geschäftsführern in Demo-Days, wie ein einheitliches Tool künftig Lizenzen, Ergebnisse, Statistiken und den kompletten Verwaltungsalltag vereint. Parallel jagt die nächste Herausforderung die Vereine: Jede Spielerin, jeder Spieler bekommt eine neue Handball-ID und muss sich neu registrieren oder alte Daten abgleichen. „Wer jetzt Fotos und Mailadressen aufräumt, spart sich im Sommer Stress“, warnt Lahr. Der DHB will mit Kampagnen und Hotlines die Umgebung begleiten – notfalls Haustür-Infos in den Vereinsheimen.

Die Rechnung des Verbandes: Einmal durchregistrieren, danach nie wieder Papierkram für Lizenzen, Spielberichte oder Transfers. Die Pilotphase beweist bereits, dass die Motivation stimmt. „Toools und die Piloten lernen gerade rasant voneinander“, sagt Quentin Münch, Manager Handball360 & Spielbetrieb. Die spanischen Entwickler verstehen inzwischen, warus in Deutschland selbst Kreisligisten drei verschiedene Nachwuchspass-Varianten kennen müssen. Die deutschen Verbandsmitarbeiter begreifen, dass ein Klick statt eines Faxumschlags reicht, um einen Spieler abzumelden.

Entscheidend ist jetzt die Sommerpause. Bis Juli sollen alle 1,2 Millionen Mitglieder in der Datenbank sauber erfasst sein, bis August die letzten Funktionen getestet. Dann zieht Handball360 durch alle Ebenen – und der DHB tritt endgültig aus dem analogen Schatten seiner Excel-Listen heraus. Sierra nimmt den Stresstest gelassen: „Wenn Deutschland klappt, schafft das jeder Verband weltweit.“ Die Uhr tickt – und die 500 Test-User halten den Zeiger fest im Griff.