Pogacar zertrümmert den fluch von sanremo mit spektakulärer aufholjagd

34 Kilometer vor dem Ziel lag er am Boden, das Rennen schien gelaufen. Dann fuhr Tadej Pogacar die schwerste Aufholjagd der Milano-Sanremo-Geschichte und schrieb dennoch das Ende einer 118-jährigen Legende.

Die Cipressa-Steigung war noch gar nicht in Sicht, da rissen plötzlich Ketten und Hoffnungen. Ein Massensturz bei Imperia wirbelte 60 Fahrer durcheinander, Pogacar schlug auf Asphalt, riss sich Haut ab, sah aus, als würde er aufgeben. Sekunden später saß er wieder im Sattel – und jagte mit 90 Watt-Explosionen durch das Feld, als hätte er den Unfall nur erfunden.

Die sekunden, die alles änderten

Die UAE-Armada schaltete sofort in Zeitfahr-Modus. Mikkel Bjerg zog 15 Kilometer mit 55 km/h, Marc Soler riss die Gruppe auseinander, bis nur noch ein rosafarbener Flicken übrig war. Hinter den Deux Eaux-Tunnels lag Pogacar plötzlich nur noch acht Sekunden zurück – dann waren es plötzlich null.

Auf der Cipressa attackierte er dreimal. Keine Reaktion. Auf dem Poggio verschärfte er das Tempo auf 550 Watt – wieder nur Stille im Funkspruch. Im Sprint schließlich blies er Van der Poel und Pidcock weg, als seien sie Radtouristen. 6:16 h brannten auf die Uhr, die schneste Sanremo seit 1996.

Der letzte weiße fleck im palmarès ist jetzt bunt

Der letzte weiße fleck im palmarès ist jetzt bunt

Mit dem Sieg vollendet Pogacar das historische Monument-Slam: Liège, Lombardie, Flandern, Strade, Sanremo – alles da. Nur Roubaix fehlt noch. Der 26-Jährige lachte ins Mikrofon: „Ich dachte, mein Tag ist vorbei. Aber ohne meine Jungs wäre ich heute nur Zuschauer.“

Die Zahlen sind längst keine Rechnung mehr, sie sind Mythos: fünf Titel in Mailand–Sanremo-Siegerliste, vier Tour-Etappen, drei Triumphe in der Ardennen-Provinz. Und die Saison ist noch jung.

Der Fluch? Geschichte. Das Tabu? Zerbrochen. Für die Konkurrez bleibt nur ein Trost: Paris–Roubaix liegt noch im April. Doch nach heute fragen sich viele, ob auch dort bald Asphalt unter der Slovanischen Macht zerfetzt.