Hamburgs hoffnung zieht sich: breunigs muskelbündel reißt im abstiegskampf
Die Veolia Towers trauern um ihren deutschen Lebensversicherer. Martin Breunig, erst im Winter als Retter geholt, zog sich in Trier einen Muskelriss im linken Oberschenkel zu – und fällt für den Rest der Hauptrunde aus.

Die chronologie einer pleite, die niemand sah
Breunig landete im Januar mit dem Ruf, Endspiel-Republikaner zu sein. 17 Spiele, 8,7 Punkte, 4,6 Rebounds: keine All-Star-Zahlen, aber Körpersprache, die ansteckt. Gegen Trier sprang er nach einem Loose-Ball, blieb liegen, schlug mit der Faust aufs Parkett – und wusste sofort: dieses Mal ist das Band nicht nur gestaucht. Die Diagnose nach MRT: Muskelbündelriss, sechs Wochen Pause. Die Towers verloren ohne ihn die zweite Hälfte mit 18:38.
Die Saison war schon vor dem Knall ein Krimi. Hamburg steht bei 6:18 Bilanz, zwei Siege hinter dem rettenden 16. Platz. Der Plan lautete: Breunig stabilisiert die Zone, junge Amerikaner laufen. Ohne ihn bleibt nur noch Tim Coleman als erfahrener Big Man – ein Flügelstürmer, der notgedrungen in die Fünf rutscht. Trainer Steven Esterkamp musste nach dem Spiel zugeben: „Wir haben keine Minute trainiert, wie wir ohne Martin verteidigen.“ Das klingt nach Panik, ist aber ehrlich.
Die Verletzungswelle ist kein Schicksal, sie ist ein Muster. Schon Justus Hollatz (Handbruch), Fabian Bleck (Knie) und Jörn Hauk (Syndesmose) fielen Monate aus. Die Towers hatten in dieser Saison 43 verschiedene Starting-Five-Kombinationen – Liga-Spitze. Sportdirektor Raoul Korner kalkuliert mit einem Budgetloch von rund 400.000 Euro, weil Nachverpflichtungen teurer werden, je später der Einsatztermin rückt. Die nächste Lösung heißt Devin Davis, D-League-Veteran, Landeanflug heute Nacht. Ob er pünktlich zur Abstiegs-Playoffs fit ist, wagt niemand zu versprechen.
Breunig selbst saß gestern mit Gips und Krücken in der Halle, schaute den Nachwuchs bei der Aufwärmung an. „Ich hab den Jungs gesagt: jetzt seid ihr die Oldies“, lachte er, aber die Stimme zitterte. Sein Vertrag läuft bis 2026, mit Option auf Spieler-Coaching. Die Towers haben in den vergangenen fünf Jahren schon zweimal den Klassenerhalt in der Relegation geklärt. Die dritte Relegation wäre keine Kavalkade, sondern ein Bankrott – denn die Lizenzauflagen verschärfen sich 2025. Wer dann nicht solvent ist, fliegt raus, egal wie viele Punkte auf dem Feld liegen.
Die Saison ist nicht mehr zu retten, nur noch zu überleben. Die restlichen acht Spiele entscheiden, ob die Halle in Wilhelmsburg nächsten Herbst noch Bundesliga-Licht spuckt oder nur Jugendturniere sieht. Ohne Breunig wird das kleine Büdchen an der Seitenlinie zum Hauptgang. Und irgendwann muss auch der letzte Hamburger Fan begreifen: ein Muskelriss kann eine ganze Franchise auskugeln.
