Hadergjonaj spielt sich mit 8+8 in länder-rückkehr: kosovo braucht seinen super-sprinter
Florent Hadergjonaj jagt den Ball, die Statistik und die Gegner. 28 Pflichtspiele, acht Treffer, acht Vorlagen – die persönliche Bestmarke ist längst Geschichte, der rechte Verteidiger ist zum Flügelstürmer mutiert. Alanyaspor zahlt für diese Zahlen, der Kosovo plant mit ihnen. WM-Playoffs Ende März, die Entscheidung um Katar. Da darf der 27-Jährige, der einst im Emmental Kühe zählte, jetzt Tore zählen.
Von thun über bern nach anatolien: die lange route zum durchbruch
2011 noch YB-Reservist, 2014 Dauerkraft im Super-League-Mittelfeld, doch die große Bühne rief woanders. Ingolstadt, Huddersfield, Kayserispor – kein Klub hielt ihn länger als zwei Jahre fest. Die Premier-League-Duelle gegen Guardiola und Klopp verpufften, die Bundesliga-Sequenz riss 2017 ab. Erst in der Türkei wurde aus dem defensiven Ruck eine Außenbahn, die trägt und trifft. Seit dem Wechsel zu Alanyaspor im Sommer 2020 steigt seine Quote jedes Jahr: 2020/21 ein Tor, 2021/22 drei, jetzt schon acht – bei noch zwei Monaten Restsaison.
Trainer Francesco Farioli ließ ihn früher auflaufen, weiter, mutiger. Hadergjonaj antwortet mit Sprintwerten von über 34 km/h, mit Hereingaben, die Statistiker als „expected assists“ 7,2 einstufen – nur Trabzonspors Boskovic liegt bei Außenverteidigern höher. Die türkischen Medien sprechen bereits vom „Albaner mit dem Goldenen Schuh“, eine Mischung aus Respekt und Verwunderung, dass ein Kosovare so aufblüht, wo andere Profis ihre Karriere ausbremsen sehen.

Kosovos geheimwaffe für die playoff-feuerprobe
Für die Schweiz lief er 2017 ein Testspiel, dann folgte der Wechsel auf die Balkan-Seite. 38 Länderspiele, ein Tor – gegen Griechenland, basta. Nun drohen die Nations-League-Absteiger aus dem Weg: Nordmazedonien wartet, vielleicht auch Portugal. Dardai, der neue Nationaltrainer, bastelt an einem System, das ohne klassische Spitze auskommt. Dafür braucht er Außen, die Tore und Flanken liefern. Hadergjonaj ist der Kandidat.
Die Zahlen sprechen für ihn: In den letzten fünf Länderspielen erzielte er zwei Assists, zuletzt gegen Georgien den 2:2-Ausgleich in der 92. Minute. Sein Marktwert stieg laut Transfermarkt.de seit Januar von 1,5 auf 3,8 Millionen Euro – kleines Geld für Großklubs, großer Sprung für einen Spieler, der mal als „nur zweite Liga tauglich“ galt. Die Familie im Emmental schaut via Stream zu, der Vater betet, die Mutter zählt Tore. Drei könnten reichen, um den Kosovo erstmals an einer WM teilnehmen zu lassen.
Am 24. März geht’s los in Skopje, vier Tage später eventuell nach Porto. Hadergjonaj packt seine Stutzen, die mit dem Doppeladler bestickt sind, und die Torjägerstiefel, die er sich nach jedem Treffer vom Ausrüster ausborgt. Wer danach noch fragt, warum ein ehemaliger YB-Reservist plötzlich über 20 direkte Torbeteiligungen in einer Saison schafft, bekommt die Antwort geliefert: Weil er endlich dort spielt, wo man ihn nicht bremsen, sondern starten lässt. Die Karriere kennt kein Limit mehr – nur noch das nächste Tor, die nächste Flanke, das nächste Playoff-Spiel. Und vielleicht, nur vielleicht, das erste WM-Abenteuer für ein kleines Land, das auf seine Flügelstürmer setzt.
