Wildcats kassieren 14. pleite: bensheim entzaubert halle in letzter sekunde

Die Handball-Bundesliga schreibt für die Wildcats von Union Halle-Neustadt weiter die bittere Verlustbilanz: 33:36 gegen Bensheim/Auerbach. Drei Tore fehlten am Ende, doch die Niederlage schmeckt nach verspielter Siegchance.

Ein halbes spiel lang augenhöhe, dann bricht das system

15:15 nach 24 Minuten – das Hallenschild stand still, die Anzeigetafel vermochte die Kräfte kaum zu trennen. Die Gastgeberinnen ließen dem Top-Favoriten aus dem Pokalfinale keine Atempause, zwangen ihn mit beherztem 3-2-1-Deckungsverbund in Positionswechsel und zwangen Trainerin Reinel zu frühem Timeout.

Doch Halbzeit bedeutet in Halle oft Wendepunkt. Die Sechsten der Tabelle schalteten nach dem Seitenwechsel einen Gang höher, Union antwortete mit einem 7:3-Lauf und drehte das Spiel (24:23/41.). Die 1.100 Zuschauer im Steintor-Stadion schöpften Hoffnung – zu früh. Weil das Tempospiel plötzlich stockte und leichte Ballverluste sich häuften, setzte sich Bensheim binnen vier Minuten auf 32:27 ab. Die Wildcats jagten, verwarfen, liefen an. Emma Hertha traf acht Mal, aber auch sie fand kein Rezept gegen die sichere Abwehr um die quirlige Rückraum-Drehscheibe Maren Weigel.

Torhüterduell entscheidet – kruggel hält, keppeler pariert

Torhüterduell entscheidet – kruggel hält, keppeler pariert

Die Schlüsselszene fiel in der 49. Minute: Sofie Kruggel entschärfte einen Siebenmeter gegen Polakova, im Gegenzug verwandelte Bensheims Stanca Bozovic das Fast-Break zum 32:27. Die Hallenser Nummer eins fing 13 Bälle, doch ihre Kollegin auf der Gegenseite, Anne Keppeler, stand mit 16 Paraden noch eine Spur besser. Die Zahlen sprechen für sich: 30 Abschlüsse aus dem Rückraum brachten nur 13 Treffer – eine Ausbeute, die gegen die kompakte 5-1-Deckung der Gäste nicht reichte.

Trainerin Ines Seidler sprach von „Kopf- statt Beinfehlern“. Gemeint: technische Fehler statt mangelnde Laufbereitschaft. Irem Olcay fiel mit Knieproblemen aus, Linksaußen Marie Polakova spielte mit angeschlagenem Sprunggelenk – Personalnot, die sich in der Schlussphase rächte. Die Bank verkürzte zwar noch auf 31:33, doch Bensheim verwaltete die Führung routiniert herunter.

Tabellenblick: abstiegszone rückt näher

Tabellenblick: abstiegszone rückt näher

Mit 6:14 Punkten bleibt Union auf Platz 13 – nur zwei Zähler trennen die Wildcats vom direkten Abstiegsplatz. Die kommenden Partien gegen Gummersbach und Buxtehude werden zur Zitterroute. Ohne Sieg droht der Blick in die 2. Bundesliga. Für Bensheim bedeutet der Erfolg den Anschluss an die oberen Play-off-Ränge; die HSG hat nun 18:8 Punkte und kann am Wochenende mit einem Heimsieg gegen Leverkusen den dritten Platz übernehmen.

Die Saison ist nicht verloren, doch die Puste ist raus aus dem Aufsteigertraum. Für die Wildcats bleibt nur eins: Auftreten, abwischen, weitermachen – bevor die Liga sie weitermacht, ohne sie.