Tonali droht wm-aus! adduktoren-drama acht tage vor italien-playoff

Sandro Tonali flog gestern Abend in der Champions League mit den Tränen in den Augen vom Feld. Der Mittelfeld-Motor von Newcastle zog sich im Achtelfinal-Rückspiel gegen Barcelona eine Adduktoren-Verletzung zu – genau acht Tage vor dem Start der italienischen WM-Playoffs. Morgen folgt die Kernspin-Untersuchung, doch schon jetzt schrillt in Coverciano der Alarm.

Die szene, die gattuso mitfing

Minute 34 im Camp Nou. Tonali presst Fermín López, dreht auf, spürt ein Messer zwischen Leiste und Oberschenkel – und bricht zusammen. 70.000 Zuschauer verstummen, Gennaro Gattuso schaltet im Sky-Interview sofort auf stumm. Der Coach hatte seinen Ex-Milan-Kapitän für das zentrale Mittelfeld gegen Nordirland eingeplant. Nun droht dem 26-Jährigen das Aus für beiele Playoff-Spiele.

Die Zeitlinie ist gnadenlos: Am 26. März empfängt Italien in Bergamo die Nordiren, fünf Tage später steht das Finale in Cardiff oder Sarajevo an. Wer gewinnt, zieht in die Gruppe mit Kanada, der Schweiz und Katar – und endlich wieder eine WM-Endrunde seit 2014. Ohne Tonali? Das wäre, als würde man einem Ferrari den sechsten Gang entreißen.

Die leise im kicker, die laut wird

Die leise im kicker, die laut wird

„Adduktoren-Strappazz“ hieß es zunächst in englischen Medien. Doch die ersten Manipulationsversuche im Newcastle-Kreis endeten abrupt, als Tonali heute Morgen auf Krücken durch das Trainingszentrum humpelte. Klubärzte sprechen von „deutlichem Druckschmerz“, italienische Teamdocs fürchten einen Faserriss. Die Diagnose kommt erst morgen, doch die Frist läuft schon.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In dieser Saison fehlte Newcastle in den Spielen ohne Tonali im Schnitt 1,7 Punkte – und das in der Premier League. Für die Squadra Azzurra ist die Lage noch brisanter. Seit seinem Debüt 2021 lieferte er 92 Prozent der möglichen Minuten, führte die Pass-Statistik an und gewann 63 Prozent seiner Zweikämpfe. Kein anderer italienischer Sechser verbindet Ballgewinn mit Vorwärtsimpuls so konsequent.

Plan b heißt barella – oder doch frattesi?

Plan b heißt barella – oder doch frattesi?

Gattuso hat intern zwei Szenarien auf dem Tisch: Entweder er rückt Nicolò Barella ins zentrale Raster und opfert dessen Box-to-Box-Qualitäten, oder er setzt Davide Frattesi als reinen Ballgewinner neben Jorginho. Beide Lösungen haben Makel. Barella ist in Mailand noch angeschlagen, Frattesi lief in Rom nur 45 Minuten.

Die Stimmung in Coverciano kippte gestern Nacht von Euphorie in Alarmstufe Gelb. Mancher Betreuer erinnert sich an das WM-Desaster 2018, als Verrattis Faserriss das Mittelfeld-Fundament zerbröselte. Diesmal soll Geschichte nicht wiederholt werden. Die Physio-Abteilung ließ durchsickern, dass auch ein leichter Muskelfaserriss mindestens zehn Tage Pause erfordert – das würde beiele Playoff-Partien gefährden.

Der countdown läuft – mit oder ohne ihn

Während Newcastle die Saison auf Platz fünf der Premier League absichert, steht für Italien weit mehr als nur ein Ticket auf dem Spiel. Die verlorenen Generationen 2018 und 2022 nagt noch immer am Selbstvertrauen der Nation. Für viele Fans ist Tonali nicht nur Führungsspieler, sondern Symbolfigur einer neuen Mentalität.

Die letzte Info aus dem Nordosten Englands klingt wenig beruhigend: Tonali soll den Voruntersuchungsraum bereits mit Tränen verlassen haben. Für Gattuso bleiben 214 Stunden, um Plan B zu perfektionieren. Die Uhr tickt. Die Welt verfolgt mit. Und irgendwo in Bergamo wartet ein Platz im Mittelfeld, der vielleicht leer bleibt.