Gummersbach träumt von der königsklasse – doch die ehf lässt ihn im nebel
Zwei Punkte. Mehr nicht. Genau diese Lücke trennt den VfL Gummersbach vom zweiten Bundesliga-Platz, der normalerweise ein Ticket für die Champions League bedeutet. Doch diesmal ist nichts normal. Die Erweiterung der Königsklasse auf 24 Teams verspricht der HBL einen dritten Startplatz – oder auch nicht. Christoph Schindler kann’s nicht mehr hören: „Wir wissen wieder mal nicht, wofür wir uns eigentlich qualifizieren.“
Die reform, die niemand versteht
Die EHF will mehr Teams, mehr Länder, mehr Spektakel. Klingt gut, wirft aber ein Rätsel auf: Die acht neuen Plätze werden nicht automatisch an die stärksten Ligen verteilt. Wildcards, European-League-Sieger, kleine Verbände – alles kann, nichts muss. Schindler: „Platz drei in der Bundesliga muss mehr zählen als ein Pokalsieg in der zweiten Garnitur.“
Die Konsequenz: Gummersbach, Flensburg und die Füchse Berlin müssen bis zum letzten Spieltag Vollgas geben – ohne zu wissen, ob Rang zwei, drei oder sogar vier reicht. Spielplaner, Budgetplaner, Sponsoren: alle im Blindflug. „Das ist verrückt und zeigt das Problem im Handball“, so der VfL-Manager. „Wir reden über Professionalisierung, aber die Regeln ändern sich, während der Film läuft.“

Am bergischen rande schlägt das herz höher
20 Jahre hat Gummersbach auf diesen Moment gewartet. Seit 2004 keine Champions-League-Teilnahme mehr, dafür jetzt eine Saison, in der selbst das große SC Magdeburg nur drei Punkte Vorsprung hat. Die Halle an der Karl-Stein-Straße ist seit Wochen ausverkauft, die U23-Talente schlafen fast im Trainingscenter – so groß ist der Hunger.
Doch der Klub hält sich bedeckt. „Wir treiben keine If-then-Spielchen“, betont Schindler. Stattdessen: 8:0-Lauf seit Februar, 34 Tore Durchschnitt pro Spiel, Lukas Ossenkopp mit 62 % Torquote. Die Zahlen sprechen, auch wenn die Regeln schweigen.

Die entscheidung kommt – wenn keiner mehr hinschaut
Die EEH will erst nach Saisonende verkünden, wer wirklich darf. Dann laufen bereits die Vorbereitungen für 2024/25, dann stehen schon die ersten Flugbuchungen. Schindler schüttelt den Kopf: „Sportliche Qualifikationswege müssen vorher klar sein – Punkt.“ Bis dahin bleibt nur eins: gewinnen, gewinnen, gewinnen.
Am Samstag gastiert HBW Balingen im Bergischen. Für Gummersbach ist es nicht nur ein Spiel, es ist das nächste Endspiel in einer Saison, die am Ende vielleicht doch nur ein Fragezeichen bleibt. Die Fans singen „Europa wir kommen“ – sie wissen selbst nicht, ob es ein Wunsch oder ein Spott ist.
