Gummersbach nagelt minden ab und träumt laut von der königsklasse

32:22 – kein Schreibfehler, sondern die klare Sprache des VfL Gummersbach gegen eine GWD-Minden-Truppe, die plötzlich wieder den Atem der 2. Liga spürt. Mit dem Schlusspfiff schrumpft der Rückstand auf Rang zwei auf einen einzigen Punkt. Die Füchse Berlin haben noch ein Nachholspiel, doch die Bergischen spüren: Der Zug Richtung Champions League dampft noch.

Der plan von emil berggren funktioniert perfekt

Der Schwede verordnete seinem Kollektiv von Beginn an Vollgas. Miro Schluroff jagt als tempobegeisterter Dirigent jeden Ball nach vorn, Bertram Obling pariert im Sekundentakt – 16 Schüsse hat der Däne entschärft, bevor Minden realisiert, dass der Kasten heiß ist. Die Gäste brauchen elf Minuten, um den ersten Rückstand von drei Treffern zu akzeptieren, doch ihre Auszeit bringt nur ein kurzes 7:7. Danach folgen sechs Minuten ohne eigenen Treffer. Gummersbach dagegen läuft sich in einen Rausch.

Julian Köster, vor fünf Wochen am Meniskus operiert, darf mitjubeln. Zwei Treffer steuert der Rückraumshooter bei, bevor Schluroff mit dem Pausenpfiff auf 19:12 erhöht – so hoch lag der VfL in dieser Saison noch nie zur Halbzeit gegen einen Direktkonkurrenten.

Die zweite hälfte wird zur geduldsprobe

Die zweite hälfte wird zur geduldsprobe

Beide Teams starten wie betäubt, vier Minuten kein Tor, dann trifft wieder Schluroff. GWD-Trainer Aaron Ziercke wechselt das Tor, bringt Ex-VfL-Keeper Tibor Ivanisevic, doch Obling bleibt die unüberwindbare Wand. Zwischen der 40. und 50. Minute schießen die Gäste nur zwei Mal, Gummersbach zieht auf 27:17 davon. Die Partie ist gelaufen, doch niemand verlässt die Halle.

Grund: Teitur Örn Einarsson will seine Siebenmeter-Statistik polieren. Der Isländer verwandelt sieben Mal in zehn Minuten, trifft, während die Mindener schon die Koffer packen. Am Ende steht ein 32:22, das die Tordifferenz auf plus 185 katapultiert – ein kleines Polster im Kampf um Europa.

Minden blickt nach unten statt nach oben

Minden blickt nach unten statt nach oben

Die Rechnung ist gnadenhaft: Der VfL feiert, während GWD auf Platz 17 abrutscht. HSG Wetzlar gewinnt parallel, Minden liegt zwei Zähler hinter dem Relegationsplatz. Noch zwei Spiele, noch zwei Finals – gegen Kiel und Wetzlar. Wer dort nicht zulegt, darf sich auf Zweitliga-Montagabende einstellen.

Für Gummersbach geht’s am 3. Juni gegen Meister Magdeburg weiter. Ein Sieg dort, und der VfL könnte vor dem letzten Spieltag sogar Platz zwei erobern. Die Königsklasse ruft – erst leise, jetzt ganz laut.