Neuer humpelt, jubelt, droht: die wm kommt zu schnell
Manuel Neuer musste im Pokalfinale zuschauen, aber beim 3:0gegen Stuttgart sprang er doch – ein kleiner Satz, großes Signal. „Ein kleiner Hüpfer war das nur. Hierfür reicht es auf jeden Fall – zum Jubeln“, sagte der 40-Jährige im ARD-Interview und klingt schon wieder wie der Kapitän, der in 17 Tagen gegen Mexiko die deutsche Elf tragen soll.
Die wade zwickt, der plan steht
Seit dem Muskelfaserriss vor einer Woche gegen Köln hat Neuer drei Pflichtspiele verpasst, Jonas Urbig bekam den Job, bekam auch den Pokal. Doch Julian Nagelsmann hat seinen Nomaden im Tor nie abgeschrieben. „Es ist gut, dass er noch ein paar Tage Ruhe bekommt und dann top vorbereitet bei uns starten kann“, sagte der Bundestrainer bei DFB.TV – ein Satz, der wie ein Befehl klingt.
Die Zahlen sprechen trotzdem eine andere Sprache: drei Mal dieselbe Wadenblessur in dieser Saison, 60 Minuten war Neuer gegen Köln auf dem Feld, bevor er sich geschont wurde. Die Uhr tickt. Am Mittwoch sammelt sich die Nationalmannschaft in Herzogenaurach, dann zählt jeder Trainingstag doppelt.
Neuer selbst wirkt unbeeindruckt. „Ich bin auf einem guten Weg“, sagt er, während um ihn herum die Pokalparty tobt. Berlin leuchtet, die Mannschaft tanzt, und er steht mittendrin – mit einer Schiene unter der Socke, aber ohne Krücke. Das Bild geht um die Welt.

Die wm wartet, die wade auch
In den USA, Mexiko und Kanada wird die erste XXL-WM gespielt, 48 Teams, 104 Spiele, ein Turnier ohne Pause. Wer da als Torwart angreift, braucht mehr als Erfahrung – er braucht Wade, Sprungkraft, Nerven aus Stahl. Neuer hat zwei von drei Dingen. Die Frage ist, ob das reicht.
Die Historie spricht für ihn: 2014 wurde er Weltmeister mit gerissener Schulter, 2018 spielte er mit einem Finger in der Schiene. Verletzungen sind für ihn keine Ausreden, sondern Nebenrollen. Aber diesmal ist er 40, nicht 28, und Marc-André ter Stegen schläft nicht.
Am Samstagabend jedenfalls tanzte Neuer durchs Berliner Nachtlicht, ein Bier in der Hand, ein Lächeln, das alles sagte: Ich bin noch lange nicht fertig. Die Wade mag zicken, der Wille nicht. In 17 Tagen steht er wieder im Kasten – oder er steht nicht. Dann wird nicht gejubelt, sondern gezittert.
