Pellegrini zieht bilanz: 60 punkte, seville-party und ein kanzler-blick auf die champions league

Manuel Pellegrini trat nach dem 2:1 gegen Levante vor die Mikros und ließ keinen Zweifel: Das Betis-Jahr war für ihn „mit Auszeichnung“, doch die eigentliche Prüfung beginnt erst. Die Rückkehr in die Champions League zwingt den Klub, seine sportliche DNA neu zu justieren – und den Kontostand.

Die 60-punkte-marke war kein luxus, sondern überlebenspflicht

Seit Wochen redeten Analysten nur vom Viertelfinale-Aus in der Europa League. Pellegrini dreht den Spieß um: „Wir haben die Enttäuschung in 48 Stunden abgehakt und dann in der Liga gerade noch die Kurve gekriegt.“ Die Zahl 60 steht für ihn wie ein Gütesiegel. „Ohne sie wäre das Wirtschaftsgebäude wackelig, die Sponsoren nervös, die Umsätze weg“, sagt der Chilene und schlägt mit flacher Hand aufs Pult. „Deswegen war die Reaktion nach dem Ausscheiden das Sahnestück der Saison.“

Die Kartause wurde zur Notkaserne: kein eigenes Trainingsgelände, dafür 42 000 Beticos, die selbst bei Mittagssonne durchs Stadion brüllten. Ergebnis: Heimrekord trotz Exil. „Die Leute haben aus einer Baustelle ein Zuhause gemacht“, schwärmt Pellegrini. „Das vergisst keiner im Vorstand, wenn wir im Sommer über Budgets streiten.“

Champions league bedeutet, dass die zweite garde weltklasse sein muss

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Er selbst hat die Königsklasse mit Málaga und Villarreal erlebt – und kennt das Todesurteil für Teams, die nur mit elf Leuten planen. „Wenn du in Manchester City spielst, kannst du zweimal wechseln und wirst trotzdem noch Favorit. Bei uns muss der 18. Mann bereitstehen, um in Glasgow zu glänzen und drei Tage später in Granada zu schuften“, erklärt der 69-Jährige. Die Lösung: „Jedes Pfund, das hereinkommt, muss sofort in Qualität umgeschichtet werden, sonst platzt der Kreis.“

Abde, Fornals, sogar der vereinslose Deossa – alle sitzen auf dem Scouting-Radar anderer Klubs. Pellegrini lacht nicht, als er fragt: „Was nützt dir 30 Millionen auf dem Konto, wenn du in der Gruppenphase versinkst und nächsten August keine Europa League mehr spielst?“ Sein Appell an die Geschäftsführung: Verkaufen, aber sofort wieder investieren – und zwar in Spieler, die laut medical Department zwei Positionen decken können.

Der professoren-blick: spanien oder südamerika – hauptsache fußball

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Zum Schluss wird der Coach persönlich. Kein Chile bei der WM? „Dann drücke ich Spanien die Daumen, 15 Jahre sind eine halbe Ewigkeit“, sagt er und klingt für einen Moment wie ein Fan auf der Terrasse von Triana. Dabei bleibt es nicht. „Aber wenn Messi auf den Rasen tritt, schlägt auch mein chilenisches Herz.“

Pellegrini verlässt den Saal, rückt sich die Kappe zurecht. Die Botschaft ist klar: Die Fiesta in der Kartause war schön, doch wer in der Champions League nur applaudieren will, muss sich einen anderen Klub suchen. Betis hat jetzt 90 Tage, um aus Emotionen eine Armee zu bauen. Die Uhr tickt – laut.