Guardés zittert mit 21:20-sieg nach seuchen zweiter hälfte nach elche
Die Handballerinnen des Mecalia Atlético Guardés haben sich mit letzter Kraft ein 21:20 gegen Atticgo Elche erkämpft, doch statt Jubel herrscht Staunen: Wie kippt ein 14:7 nach 34 Minuten beinahe noch?
Balzinc pariert sieben bälle, dann bricht das system zusammen
Amandine Balzinc, Torhüterin mit der Unbekümmertheit einer Straßenkünstlerin, zerstörte in der ersten Halbzeit den Angriffsplan der Gäste. Ihre sieben Paraden wirbelten den Ball wie einen Glückskeks durch die Luft, und als Cecilia Cacheda auf 9:3 erhöhte, schien die Viertelfinal-Begegnung der EHF European Cup bereits gelaufen. Doch Handball ist ein Sport, der sich selbst dann rächt, wenn man nur denkt, das Spiel sei sicher.
Die Pause stand 10:6, die Gäste wirkten wie eine Band, die vergessen hat, wie man die ersten Akkorde spielt. Doch nach der Kabine schaltete Joaquín Rocamora seine Mannschaft um: statt Einzelaktionen setzte Elche auf tempo, zog Guardés in die Manndeckung und zwang die Galicierinnen zu Fehlwürfen. Die Folge: ein 1:5-Run, der die Schweizer Schiedsrichter Linus und Simon Hardegger zum Stoppuhr-Drücken zwang.

Morales tritt aufs gaspedal, guardés verliert den ball – und die nerven
Nicole Morales, Rechtsaußen mit Sprintwerten eines Leichtathletik-Trainingslagers, jagte jeden Konter selbst. Ihre Tempogegenstöße sorgten dafür, dass die 1.600 Zuschauer in A Sangriña plötzlich leiser wurden. Zwischen der 40. und 50. Minute verloren die Hausherrinnen den Ball viermal in Folge – ein Handball-Horrorszenario, das Elche auf 18:17 heranbrachte.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Guardés traf in der zweiten Halbzeit nur noch neunmal, Elche aber 14-mal. Die Statistik der Ballverluste: 12 im zweiten Durchgang, nur vier im ersten. „Wir haben uns selbst gedrosselt“, sagte Ana Seabra, Trainerin von Guardés, mit schwerer Stimme, ohne ihr Team öffentlich zu kritisieren.

Cacheda rettet mit letztem wurf den heimvorteil – doch elche reist mit schwung
Drei Minuten vor Schluss warf Cecilia Cacheda den Ball aus neun Metern über die Schulter von Zaira Benítez – 21:20. Das war nicht nur ein Tor, es war ein Seufzer, der durchs ganze Land Galiciens ging. Denn nun muss Guardés am 9. März nach Elche, wo die Halle Atticgo mit 3.000 Plätzen für ihre eigenen Fans kocht.
Die Ausgangslage: ein Tor Vorsprung, keine Auswärtstorregel mehr, dafür ein K.o.-Duell. Wer dort nicht mindestens 20 Tore wirft, kann die Europäische Traumreise vergessen. Für Balzinc bedeutet das: Sieben Paraden reichen nicht, sie braucht wieder ihre Galgenhumor-Parade. Für Rocamora heißt es: Die Lücke, die seine Mannschaft in A Sangriña geschlossen hat, ist ein Vorgeschmack auf das, was in der Heimat möglich ist.
Guardés reist mit dem Minimalziel, Elche mit dem Momentum. In der Handball-Champions-League der Gefühle zählt nur, wer den letzten Atemzug hat. Die Galicierinnen haben ihn in der Heimat geholt. Jetzt müssen sie beweisen, dass sie auch in der Fremde noch Luft haben.
