Granitza in chicago: vom underdog zum könig
Er war der Mann, der Michael Jordan schlug – zumindest in einer Umfrage. Karl-Heinz Granitza, einst Stürmer von Hertha BSC, erlebte in Chicago einen Aufstieg, der so unwahrscheinlich wie legendär ist. Ein Blick zurück auf einen deutschen Fußballer, der in den USA zum Star wurde.
Der überraschende wechsel und die anfängliche skepsis
Die Anfrage kam unerwartet, die Ablösesumme von 550.000 Mark war für Hertha BSC eine willkommene Erleichterung in finanziell angespannten Zeiten. Doch für Granitza bedeutete der Wechsel in die North American Soccer League (NASL) zunächst einen Schock. "Du kommst nach Chicago und siehst, was für eine Gurkentruppe das ist", erinnert er sich. Es war eine Mannschaft ohne Starspieler, ohne Tradition – ein Haufen von Talenten und Mitläufern.
Doch Granitza, ein Spieler mit Ehrgeiz und einem unbändigen Willen zum Erfolg, sah darin eine Chance. Er nahm die Herausforderung an und begann, an der Mannschaft zu arbeiten, sie zu formen, sie zu motivieren. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich eine Dynamik, ein Hype um den deutschen Torjäger und die Chicago Sting.

Vom außenseiter zum meisterteam
1981 gelang das Unfassbare: Die Chicago Sting gewannen die Meisterschaft gegen die hochgelobten New York Cosmos. Granitza war der Schlüssel zum Erfolg, erzielte Tore am Fließband und wurde zum Publikumsliebling. "Wir haben mit unbändigem Ehrgeiz gekämpft und die Super-Mannschaft Cosmos New York im Endspiel geschlagen", so Granitza. Auch wenn das Gehalt im Vergleich zu den Stars aus New York deutlich geringer war, zählte nur der Sieg.
Es folgten weitere Erfolge, darunter ein zweiter Titel im Jahr 1984. Insgesamt erzielte Granitza in 199 Spielen beeindruckende 128 Tore und sicherte sich einen Platz in der Hall of Fame. Doch nicht nur sportlich war Granitza in Chicago erfolgreich. Er wurde zu einer Ikone, einem Symbol für den amerikanischen Traum.

Der sieg über michael jordan
Eine Anekdote, die Granitza gerne erzählt, ist die Geschichte, wie er in einer Umfrage einer Bibliothek in Chicago gegen Michael Jordan gewann. Die Frage lautete: Welche Sportpersönlichkeit würden Sie gerne einmal kennenlernen? Granitza erhielt 73 Prozent der Stimmen und ließ den Basketball-Superstar hinter sich. "Da bin ich stolz drauf und das kann mir keiner nehmen", sagt er mit einem Augenzwinkern.
Heute lebt Granitza wieder in Deutschland, verfolgt aber weiterhin die Entwicklungen in den USA und in seiner Heimat. Er ist Hertha BSC immer noch eng verbunden, sieht die aktuelle Situation jedoch mit Sorge. "Wir sind die zweitteuerste Mannschaft in der Liga und stehen trotzdem nur an siebter Stelle. Wir müssen Struktur reinkriegen", kritisiert er. Doch er bleibt optimistisch: "Ich bin ja immer verrückt und positiv." Ein Mindset, das ihn in Chicago zum Star gemacht hat und vielleicht auch der Alten Dame zu neuem Glanz verhelfen könnte.
Granitzas Geschichte ist mehr als nur eine Sportlerbiografie. Sie ist eine Geschichte über Mut, Entschlossenheit und den unbedingten Glauben an den eigenen Erfolg. Eine Geschichte, die zeigt, dass auch aus bescheidenen Verhältnissen heraus Großes erreicht werden kann – egal wo auf der Welt.
