Gilmour feiert comeback nach 120 tagen: napoli wirft lecce aus der champions-league-spur

120 Tage hat Billy Gilmour auf diesen Moment gewartet – und dann traf er mit dem ersten Ballkontakt den Pfosten. Die Maradona-Arena kreischte, als der Schotte nach einem diagonalen Pass von André-Frank Zambo Anguissa in den Sechzehner stürmte, doch das Aluminium verweigerte ihm die Genugtuung. Die Szene passt ins Bild eines Nachmittags, an dem Napoli alles unter Kontrolle hatte – bis auf das Ergebnis.

Conte setzt auf wiedersehen statt revolution

Antonio Conte hatte seine Startelf nur an einer Position verändert: Gilmour rückte für den gesperrten Lobotka ins defensive Mittelfeld. Der 23-Jährige hatte zuletzt am 14. November 2025 gegen Atalanta gespielt, zog sich dann einen Innenbandriss zu. „Er ist unser Metronom“, sagte Conte vor der Partie, „sein Timing entscheidet, wie schnell wir umschalten.“ Das Timing war fortgeschritten, das Ergebnis blieb aus.

Denn Lecce, eigentlich der nominelle Abstiegskandidat, erlaubte sich in der ersten Halbzeit eine Leistung, die an die glorreichen Tage der Giallorossi in den 90ern erinnerte. Sie pressierte in einem 4-3-3, das sich bei Ballbesitz in ein 3-2-5 verwandelte. Linksverteidiger Antonino Gallo rückte ins Zentrum, Außenstürmer Banda zog mit seinem Gegenspieler Politano das Mittelfeld auseinander. Die Folge: Napoli konnte nur über Außenpositionen in die Tiefe spielen – und genau dort lauerte Veiga, der mit Siebert eine Doppel-Sechs bildete, die jede zweite Flanke abfing.

Meret pariert, aber der var schweigt

Meret pariert, aber der var schweigt

In der 67. Minute dann die Szene, die am Abend alle Gespräche dominierte. Elmas zirkelte einen Eckball von rechts, Stulic kam am ersten Pfosten an den Ball und nickte ein. Meret war machtlos, doch die Wiederholung zeigte: Stulic stand eine Armlänge im Abseits. Die Linienrichter hatten nicht gepfiffen, weil der Ball über mehrere Stationen ging – ein typisches Beispiel für die neue VAR-Interpretation, bei der nur „klare Fehler“ korrigiert werden. Conte tobte an der Seitenlinie, aber selbst die Bilder blieben stumm.

Die Partie verflachte, weil beide Teams das Risiko scheuten. Napoli wollte die Serie von 13 Heimspielen ohne Niederlage ausbauen, Lecce brauchte den Punkt, um den Abstand zur Abstiegszone auf fünf Zähler zu halten. Am Ende stand ein 0:0, das beiden reicht – vorerst. Denn am Horizont ragen schon die nächsten Schlachten: Für Napoli geht es am Wochenende nach Mailand zum Spitzenspiel gegen Inter, während Lecce mit Cagliari einen direkten Konkurrenten empfängt.

Die Tabelle lügt nicht: Napoli bleibt Dritter, hat aber nur noch zwei Punkte Vorsprung auf Roma und Como. Die Champions-League-Träume sind intakt, aber brüchiger denn je. Und Gilmour? Er wird sich an den Pfosten erinnern – und daran, dass er endlich wieder dabei ist. Die Saison ist noch lang, aber der Countdown läuft.