Bastoni wird gefeiert – und das ausgerechnet auf der bank

San Siro skandiert seinen Namen, während er in Trainingskluft danebensteht. Alessandro Bastoni, Abwehrchef des Inter, muss gegen Atalanta zuschauen – und wird trotzdem zur Ikone.

Die kurve ehrt ihren verletzten helden

14. Minute, Inter führt 1:0, doch das Stadion singt nicht vom Torjäger, sondern vom Mann mit der Schiene am Schienbein. „Bastoni orgoglio nostro“ flattert im zweiten Ring, grün auf weiß, so groß wie ein Lastwagenaufkleber. Die Tibiakontusion aus dem Derby ist noch nicht verheilt, doch die Liebe der Curva Nord schon.

Die Szene ist paradox. Da sitzt ein Spieler, den man vor einem Monat noch auspfiff – wegen jener Szene gegen Juve, in der er sich fallen ließ und Kalulu mit Rot dafür bezahlen musste. Seitdem ist Bastoni in manchen Stadien Buhmann. Hier aber ist er wieder der kleine Prinz der Giuseppe-Meazza.

Rosa camuna – ein preis, der spaltet

Rosa camuna – ein preis, der spaltet

Doch der Applaus mischt sich mit dem Knurren der sozialen Netzwerke. Der Lombardie-Preis für „Leistung, Kreativität und Fairness“ steht auf dem Programm, Bastoni ist nominiert. Kritiker nennen das einen Hohn. „Wenn Schwalbenkönige plötzlich Integrationsfiguren sind, kann man Kalulu ja den Trostpreis ‚Gekreuzigt und Karikiert‘ verleihen“, spottet ein User aus Turin.

Die Jury kontert trocken: „Bastoni hat seinen Fehler eingestanden und sich öffentlich entschuldigt.“ Genug, um in der digitalen Arena erneut das Gefühl zu vermitteln, dass Inter-Juve nie wirklich endet – es wechselt nur das Schlachtfeld.

Am Ende zählt aber nur, was in der Kurve steht. Und da steht: „Bastoni orgoglio nostro“. Der Rest ist Lärm.