Irlands six-nations-kracher: 43-21 gegen schottland – titel jetzt in französischer hand
Dublin explodiert. 80 000 grün gekleidete Stimmen schmettern „Zombie“ bis in die Nacht hinein, denn Irland hat die Six Nations wieder eröffnet. 43-21 gegen Schottland, sechs Versuche, eine Anzahlspflicht-Offensive – und plötzlich lebt der Traum vom zweiten Grand Slam binnen drei Jahren. Die Rechnung ist denkbar einfach: Frankreich muss heute gegen England verlieren, dann ist Andy Farrells Mannschaft erneut dran.
Die ersten zehn minuten: drei versuche, zwei komplettaussetzer
Schon nach 120 Sekunden zerlegt Tadhg Furlong die schottische Maul-Mechanik, Jamison Gibson-Park spielt schnell frei, James Baloucoune zieht drei Verteidiger auf sich – und Calvin Osborne fliegt unter den Pfosten durch. 7-0. Antwort Finn Russell: Cross-Kick auf Kyle Steyn, Duhan van der Merwe zieht nach innen, Darcy Graham hebt ab – 7-7. Noch ist die Murrayfield-Seuche nicht ausgebrochen. Doch dann verliert Stuart McInally den Ball im Ruck, Sheehan nutzt die Lücke, 14-7. Kurz darauf plattet Bundee Aki Russell, McCloskey spielt hinter dem Rücken von Garry Ringrose – Baloucoune erneut, 19-7. Ein Viertelstunde Kick-and-Rush der Extraklasse, danach wirkt Schottland wie nach einem Schlag in die Magengrube.
Gregor Townsend versucht es mit Wechseln, doch selbst Captain Sione Tuipulotu leiert zwei simple Aufnahmen ins Tartan-Aus. Irland dagegen schaltet runter, spielt mit der Uhr, lässt Crowley den Ball mal kurz, mal lang rollen – und wartet auf den entscheidenden Splitter.

Russells solo und das fatale 61. minute
Mit dem Wiederanpfiff meldet sich Russell zurück. Finte gegen Gibson-Park, 19-14. Schottland atmet auf, doch der Vorsprung hält keine fünf Minuten. Darragh Murray krabbelt aus dem Tiefschlaf, legt ab auf Jimmy O’Brien – 26-14. Danach Darge, 26-21. Plötzlich steht es wieder, plötzlich glauben die Schotten wieder. Doch dann der Knock-on von Tuipulotu, der lose Ball, der sprintende O’Brien – und die 68. Minute: 33-21, Entscheidung.
Die letzten zehn Minuten gehören Beirne, der an diesem Nachmittag allein sieben Mal Ballgewinn verbucht, und dem irischen Bank-Blitz. Jack Crowley tritt das 36-21, O’Brien erhöht gar auf 43-21. Endstand, Endstation Schottland.

Was das heute für paris bedeutet
Irland steht bei 19 Punkten, Frankreich bei 16. Die Equipe tricolore braucht heute Nacht also nicht nur einen Sieg, sondern einen Bonus-Sieg plus Differenz, um die Titelverteidigung perfekt zu machen. Sollte England gewinnen, wäre Dublin am frühen Sonntagmorgen erneut der Ort, wo die Pokale poliert werden. Die Iren selbst haben ihre Hausaufgaben gemacht: 27 Versuche in fünf Spielen, 139 Punkte, nur 82 Gegentore. Das ist kein Zufall, das ist System-Farrell.
Für Schottland bleibt der 24-Jahre-Fluch. Seit 1999 warten sie auf den Six-Nations-Triumph, und wieder endet das Turnier mit dem bitteren Nachgeschmack einer zweiten Halbzeit, die nicht in die Geschichtsbücher eingehen wird. Townsend sprach von „Learning“, doch die Lektion ist alt: Wer in Dublin nicht mitkommt, wird weggespült.
Die Iren feiern sich, die Franzosen zittern – und wir dürfen uns heute Abend auf ein Finale freuen, das erst in der 84. Minute entschieden werden könnte. Sport ist manchmal einfach Mathematik, verpackt in grünem Lärm.
