Karl rast in dfb-top-ten: 18 jahre, 33 tage – und sané sitzt plötzlich am abgrund

Lennart Karl brauchte 17 Minuten, um Leroy Sané die Blamage zu servieren. Die Uhr tickte bei 0:1 gegen die Schweiz, 63. Minute, da flog der Bayern-Star runter – und der 18-jährige Stürmer von Werder Bremen rein. Ergebnis: ein Aufstand im Mittelfeld, eine Note 2,5 für Karl, 4,5 für Sané und ein Eintrag in die Geschichtsbücher des DFB.

Nur vier deutsche Spieler waren jemals jünger als Karl bei ihrem Länderspieldebüt. Die Liste liest sich wie ein Who-is-Who der deutschen Fußball-Romantik: Uwe Seeler (17 Jahre, 345 Tage), Youssoufa Moukoko (17, 361), Friedel Holz und Jamal Musiala (beide 18, 27). Karl folgt als Fünfter – und hat dabei selbst seine Idole überholt.

Die minute, die den bundestrauer plant

Die minute, die den bundestrauer plant

Julian Nagelsmann hatte Karl zuvor nur aus der Bundesliga-Analyse auf dem iPad gekannt. Gegen die Schweiz sah er live, was der Angreifer kann: kurze Ballannahme, enge Dribblings, ein Antritt wie ein aufgedrehter 100-Meter-Läufer. „Mutig“ nannte der Coach es hinterher – ein Wort, das man im DFB-Zentrum zuletzt selten über Offensivkräfte sagte.

Und doch bleibt Sané vorerst gesetzt. Begründung: Erfahrung. Ironie: Genau diese Erfahrung lieferte gegen die Schweiz 28 Minuten Chaos. Karl dagegen lieferte Zahlen: 13 von 15 Pässen kamen an, zwei Schussvorlagen, vier von fünf Dribblings gewonnen. Die Statistik spricht für sich – und gegen Sané.

Die Entscheidung fällt nicht erst im Sommer, sondern schon beim nächsten Lehrgang. Denn das WM-Jahr wird schnell, gnadenlos und kurz. Nagelsmann kennt die Lektion: Jugend schläft nicht. Sie spielt – oder sie fliegt.

Die Tatsache, dass Mario Götze, Moukoko und Max Meyer noch aktiv sind, verleiht der jungen Garde zusätzlichen Druck. Götze steht vor einer Verlängerung in Frankfurt, Moukoko kämpft in Kopenhagen gegen den Abstieg, Meyer dirigiert auf Zypern das Mittelfeld. Drei unterschiedliche Karrieren – und ein gemeinsames Datum: ihr Debüt vor dem 19. Geburtstag.

Karl ist jetzt Teil dieses exklusiven Klubs. Die Frage ist nicht mehr, ob er bereit ist für die WM. Die Frage lautet: Ist die WM bereit für ihn? Die Antwort lieferte er in 17 Minuten. Der Rest ist Logik – und vielleicht der Beginn einer neuen Ära. Der Countdown läuft. Und Sané spürt ihn mit jedem Schritt.