Franz „bulle“ roth feiert 80. geburtstag: der stille held der bayern-dominanz
München – Während Beckenbauer und Müller Legendenstatus genießen, steht ein Name im Hintergrund, der ohne den FC Bayern, wie wir ihn kennen, nicht existieren würde: Franz „Bulle“ Roth. Der am 27. April geborene Mittelfeldspieler feiert heute seinen 80. Geburtstag und blickt auf eine Karriere zurück, die den Grundstein für die goldenen 70er-Jahre des Rekordmeisters legte.
Der mann, der die spielmacher ausschaltete
Roth war mehr als nur ein Spieler; er war der stille Dirigent im defensiven Mittelfeld. Seine Aufgabe war klar: die kreativen Köpfe der gegnerischen Mannschaften auszuschalten – Overath, Cruyff, Netzer. „Ich musste sie unter Druck setzen, ihnen den Raum nehmen“, erklärte Roth in einem früheren Interview, „und so dafür sorgen, dass Beckenbauer und Müller ihre Kunst zeigen konnten.“ Ein unbesungener Held, der die Bühne für die Stars bereitete.
Doch Roth war nicht nur ein Defensivspezialist. Er besaß den Instinkt, zur richtigen Zeit zum Tor zu schießen. Und das tat er in den größten Spielen, in den internationalen Finalspielen. <Drei> Mal traf er zum wichtigen 1:0 – ein Beweis für seinen kühlen Kopf und seine Treffsicherheit im entscheidenden Moment.

Von der amateurebene zum champions-league-sieger
Die Geschichte von Franz Roth liest sich wie ein Märchen. Vom Amateurverein SpVgg Kaufbeuren gelangte er über eine Empfehlung des Münchner Friseurs Alexander Kotter – der bereits Gerd Müller an Bayern empfohlen hatte – 1966 nach München. Was zunächst wie ein Glücksfall aussah, entpuppte sich als Wendepunkt für den gesamten FC Bayern.
Trainer Zlatko „Tschik“ Cajkovski erkannte schnell Roths Potenzial und beförderte ihn in den Stammkader. Zunächst als Flügelspieler, später als defensiver Mittelfeldspieler, wo er seine Stärken voll entfalten konnte. Seine Schnelligkeit, Kraft und Ausdauer machten ihn zu einem unberechenbaren Gegner.

Erdbeerkuchen als geheimwaffe
Doch was viele nicht wissen: Roth hatte ein ganz besonderes Ritual, um sich optimal auf die Spiele vorzubereiten. Vor jedem Spiel gab es ein Stück Erdbeer-Sahne-Torte. „Ich bin immer schon ein Süßer gewesen und früh aufgestanden“, so Roth, „und bis zum Anpfiff war mir das Frühstück zu lange her. Also habe ich mir ein Stück Kuchen gegönnt.“ Eine geheime Vereinbarung mit dem Hotelpersonal – bis er eines Tages von Manager Robert Schwan erwischt wurde. Doch auch dieser war von Roths unbändigem Siegeswillen beeindruckt und gab ihm den Freibrief für seinen süßen Energieschub.

„Mia san mia“ – geprägt von einer generation
Roth blickt mit Wehmut auf seine ehemaligen Weggefährten Franz Beckenbauer und Gerd Müller zurück. „Franz fehlt mir sehr. Wir waren nicht nur auf dem Platz ein großartiges Team, sondern auch privat eng befreundet“, erinnert sich Roth. „Solche Freundschaften bleiben ein Leben lang.“ Gemeinsam prägten sie den Geist, der bis heute den FC Bayern ausmacht – den unbändigen Willen zum Erfolg, die Leidenschaft für den Fußball und das unerschütterliche Vertrauen in die eigene Stärke.
„Der FC Bayern hat mir alles gegeben – Titel, Freundschaften, ein Leben im Fußball“, schließt Roth seinen Blick zurück. „Für mich ist dieser Verein Familie – und wird immer ein besonderer Teil meines Herzens bleiben.“ Ein Vermächtnis, das weit über seine 80 Jahre hinaus Bestand haben wird. Ein Vermächtnis eines Spielers, der im Schatten der Ikonen brillierte und den FC Bayern zu dem machte, was er heute ist.
