Foreman gegen schulz: ein kampf, der die geschichte schrieb – und verfiel

Vor 31 Jahren lieferten sich George Foreman und Axel Schulz einen Kampf für die Ewigkeit. Ein Duell, das nicht nur mit Bestechungsgeld und fragwürdigen Entscheidungen verbunden war, sondern auch eine Ära des deutschen Schwergewichtsboxens prägte. Klaus Schäfer blickt zurück auf eine Nacht, die mehr Fragen aufwarf, als sie beantwortete.

Der taxifahrer wusste es zuerst: schulz wurde betrogen

„Axel, du wurdest grad betrogen, du brauchst nüscht bezahlen“, soll ihm der Taxifahrer nach dem Kampf in Las Vegas mitgeteilt haben. Diese Worte, aus dem Jahr 2020, spiegeln die bittere Erkenntnis wider, die viele Fans und auch Schulz selbst nach dem Kampf am 22. April 1995 hatten. Foreman, der als alternder Kämpfer galt, ging als Sieger hervor, obwohl viele ihm die Entscheidung nicht abnahmen. Die Scorecards zeigten 115:113, 114:114 und erneut 115:113 – ein knappes Urteil, das viele als ungerecht empfanden.

Schulz, der damals 26 Jahre alt war und aus dem Sauerland-Boxstall um Henry Maske stammte, hatte Foreman und dessen Promoter Bob Arum offensichtlich als Aufwärmgegner auserkoren gesehen. Ein Fehler, der ihm teuer zu stehen kam. Denn hinter der Kulisse brodelte es bereits, wie der Kampf später enthüllen sollte.

Bestechungsgeld und verpasste chancen: foremans zweifelhafter sieg

Bestechungsgeld und verpasste chancen: foremans zweifelhafter sieg

Die IBF-Verband hatte den Kampf zunächst nicht genehmigt, da Foreman den Pflicht-Herausforderer Tony Tucker links liegen gelassen hatte. Um diesen Knackpunkt zu umgehen, floss offenbar ein Batzen Bestechungsgeld – 350.000 Dollar, wie Arum später in einem Gerichtsprozess zugab. Ein Deal, der den Glaubwürdigkeit des Kampfes nachhaltig beschädigte. Foreman, der nach zehn Jahren Ringpause überraschend zurückgekehrt war und zuvor zwei WM-Kämpfe verloren hatte, schien sich mit dem Sieg über Schulz nicht zufrieden zu geben. Er kokettierte offen mit einem Mega-Fight gegen Mike Tyson, der zu dieser Zeit im Gefängnis saß.

„Im Ausland musst du den Gegner umhauen“, erklärte Schulz später. Ein ungeschriebenes Gesetz der Branche, das er in dieser Nacht nicht beherrschte. Er punktete zwar aus der Halbdistanz, brachte Foreman im letzten Durchgang sogar ins Wanken, aber er brachte ihn nicht zu Fall. Und das, obwohl er für den Kampf nur 500.000 Mark Kampfbörse erhalten hatte, während Foreman satte 10 Millionen Mark einstreifte.

Ein vermächtnis der sympathie und verpassten träume

Ein vermächtnis der sympathie und verpassten träume

Trotz der verlorenen Entscheidung gewann Schulz an diesem Abend die Herzen der deutschen Sportnation. Seine Popularität wuchs, obwohl er immer wieder am Traum scheiterte, erster deutscher Schwergewichts-Weltmeister seit Max Schmeling zu werden. Auch nach dem Kampf gegen Foreman folgten weitere Titelhoffnungen, die er jedoch verpasste – gegen Francois Botha und später gegen Tommy Morrison.

Foreman hingegen musste nach dem Kampf gegen Schulz mit den Konsequenzen leben. Die IBF zwang ihn zu einem Rückkampf, den er jedoch ablehnte, bevor ihm der Titel aberkannt wurde. Sein Traum vom Mega-Fight gegen Tyson zerplatzte, und er zog sich schließlich 1997 nach einer Niederlage gegen Shannon Briggs in den Ruhestand zurück.

Ein letztes wiedersehen: die tragödie des verpassten abschieds

Ein letztes wiedersehen: die tragödie des verpassten abschieds

Ein Wiedersehen zwischen Foreman und Schulz, das eigentlich zum 25-jährigen Jubiläum des Kampfes geplant war, wurde durch die Corona-Pandemie verhindert. Am 21. März 2025 verstarb George Foreman im Alter von 76 Jahren. „Es ist sehr traurig“, bedauerte Schulz kurz darauf. „Wir waren gerade dabei, ein Wiedersehen fürs Fernsehen zu organisieren.“ Ein Abschied, der nie stattfinden konnte, ein Kampf, der bis heute Fragen aufwirft und eine Ära des deutschen Boxens geprägt hat. Foreman selbst soll Schulz im Laufe der Jahre gesagt haben: „Du hättest mich halt K.o. schlagen müssen.“ Ein Versäumnis, das die Geschichte schrieb – und die Legende von Axel Schulz weiterleben ließ.