Evaristo beccalossi: ein fußballer, der eine ära prägte – und die herzen stahl
Der Schock sitzt tief in der Fußballwelt: Evaristo Beccalossi, der geniale Spielmacher und Publikumsliebling, ist verstorben. Ein Verlust, der nicht nur die Nerazzurri-Fans, sondern den gesamten italienischen Fußball in Trauer versetzt. Sein früherer Mitspieler Fulvio Collovati, sichtlich bewegt, beschreibt den Verlust als einen „Schmerz, der einen Stück Geschichte kostet.“
Die goldene zeit im spionaggio – und im umkleideraum
Collovati erinnert sich an die gemeinsame Zeit bei Inter zwischen 1982 und 1984, eine Ära, die von Leidenschaft, Rivalität und unvergesslichen Momenten geprägt war. „Wir waren Gegner in unzähligen Derbys, aber dann plötzlich Teamkollegen. Es gab Zweikämpfe auf dem Platz, aber auch herzliche Umarmungen und jede Menge Neckereien abseits des Rasens.“ Besonders in Erinnerung geblieben ist Collovati Beccalossis Rolle als „König der Duschen“ im Umkleideraum – eine Tradition, die den Teamgeist und die Kameradschaft pflegte.
Doch Beccalossi war weit mehr als nur ein Spaßvogel. „Als Fußballer war er einer der größten Talente, die ich je gesehen habe“, betont Collovati. „Ein Spielmacher, der den Ball am Fuß tanzen ließ und sich maßlos ärgerte, wenn man ihn nicht im richtigen Moment bediente – und das meinte er dann auch ganz genau!“

Ein charakter wie kein anderer
Was Beccalossi so besonders machte, war sein unkonventioneller Charakter. „Auf dem Platz war er ein Kämpfer, ein Leistungsmensch, der von seinen Mitspielern höchste Einsatzbereitschaft forderte. Aber im Umkleideraum wurde er zum Entertainer, zum Lebenskünstler, der mit seiner unbändigen Lebensfreude jeden aufmunterte – auch nach einer Niederlage.“
Ein Beispiel dafür ist eine Anekdote, die Collovati schildert: „Er sagte einst: 'Zum Glück werden wir Fußballer nicht für die Kilometer bezahlt, die wir laufen. Sonst hätte ich ein beschwerliches Leben!'“ Und natürlich seine Vorliebe für „gavettoni“ – das wilde Wasserwerfen im Umkleideraum, das für Gelächter und gute Laune sorgte.

Die bittere pille der nationalmannschaft
Trotz seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten blieb Beccalossi der große Triumph mit der italienischen Nationalmannschaft verwehrt. „Es ist ein Schock, dass er nie wirklich bei der WM 1982 dabei war“, bedauert Collovati. „Die Konkurrenz war natürlich enorm, mit einem Ausnahmetalent wie Antognoni im Team. Aber wenn man sein Talent bedenkt, hätte er es verdient gehabt, Teil dieses legendären Triumphes zu sein.“
Doch Beccalossi ließ sich nicht entmutigen. Er setzte seinen Weg fort und wurde zu einer Ikone des interen Fußballs, einem Spieler, der eine ganze Generation begeisterte und für immer in den Herzen der Nerazzurri-Fans weiterleben wird. Collovati schließt mit einem Augenzwinkern: „Wir haben uns in einem Benefizspiel für Claudio Lippi mal wieder ordentlich die Köpfe heiß gelaufen. Er hat dann bei einem Stand von 1:0 für uns einen Elfmeter herausgeholt, der regelwidrig war. So war er eben, immer mit einem Augenzwinkern und dem Willen zu gewinnen – egal was war.“
Die Fußballwelt trauert um einen außergewöhnlichen Spieler, einen begnadeten Künstler und einen Menschen mit Herz. Evaristo Beccalossi – sein Name wird für immer mit dem interen Fußball verbunden sein.
