Wimbledon erhöht prämien: genug für sinner und co.?
London fiebert Wimbledon entgegen, und mit der Bekanntgabe der Prämienstruktur für das kommende Turnier kommt ein heißer Punkt in der Diskussion zwischen Spielern und Veranstortern zustande. Der All England Lawn Tennis Club (AELTC) hat die Prämien um satte 20 Prozent angehoben – die höchste jährliche Erhöhung in der Geschichte des Turniers. Doch reicht das, um die Unzufriedenheit der Spieler, angeführt von Jannik Sinner, zu besänftigen?

Ein rekord-preisgeld von 74 millionen pfund
Insgesamt werden in Wimbledon 2026 stolze 74 Millionen Pfund (rund 85 Millionen Euro) an Preisgeldern ausgeschüttet. Der Einzel-Champion sowohl bei den Herren als auch bei den Damen kann sich auf einen Scheck über 3,6 Millionen Pfund freuen, während die Finalisten mit 1,8 Millionen Pfund belohnt werden. Auch die Spieler, die in der ersten Runde ausscheiden, erhalten eine Aufstockung auf 80.000 Pfund, und die Qualifikationsrunden werden mit 6,2 Millionen Pfund bespielt.
Diese Erhöhung kommt nach einer kontroversen Diskussion über die Verteilung der Einnahmen. Im vergangenen Jahr generierte Wimbledon einen Umsatz von 426,5 Millionen Pfund (etwa 495 Millionen Euro), wovon 62 Millionen Pfund als Gewinn verblieben. Ein Großteil dieses Gewinns – 90 Prozent – fließt an die Lawn Tennis Association (LTA), den britischen Tennisverband, zur Förderung des Sports im In- und Ausland. Die restlichen 10 Prozent werden an den historischen Wimbledon-Club ausgeschüttet.
Das Problem: Im vergangenen Jahr entfielen lediglich 12,5 Prozent der Einnahmen auf die Spieler. Sinner und seine Kollegen fordern einen Anteil von 22 Prozent, der dem in den ATP- und WTA-combined-Events entspricht. Die aktuelle Erhöhung bringt den Anteil der Spieler auf 15 Prozent, was zwar eine Verbesserung darstellt, aber immer noch unter den Forderungen liegt.
Deborah Jevans, Präsidentin des AELTC, betont, dass Wimbledon ein nachhaltiges Programm betreibt, das Investitionen in Infrastruktur, die Rasensaison und die Entwicklung des britischen und internationalen Tennissports ermöglicht. Sie sieht Wimbledon als eine Plattform, die allen Beteiligten zum Erfolg verhilft.
Doch die Forderungen der Spieler gehen über höhere Prämien hinaus. Sie fordern auch eine stärkere Mitsprache bei strategischen Entscheidungen sowie verbesserte Leistungen in Bezug auf Renten, Krankenversicherung und Mutterschutz. Die Verhandlungen zwischen Spielern und Veranstortern dürften daher weitergehen. Es bleibt abzuwarten, ob Wimbledon in der Lage sein wird, den Spielern ein Angebot zu machen, das ihren Ansprüchen gerecht wird und die Zukunft des Turniers sichert.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Wimbledon ist ein Wirtschaftsfaktor von globaler Bedeutung. Die Frage ist nur, ob die Gewinne fair verteilt werden. Ein Blick auf die stolzen Preisgelder zeigt, dass der Rasentennis-Sport weiterhin ein lukratives Geschäft ist – für alle Beteiligten.
